Archiv für den Monat: Januar 2018

Kehrtwende im Rheinland. Von Manfred Alberti.

01/2018

Viele rheinische Gemeinden klagen seit Jahren über die Lasten, die ihnen durch die massiv ausgeweitete Macht und Kosten der Kirchenkreisverwaltung und die Entmachtung der Presbyterien und der Gemeindeebene entstanden sind.

Nun haben Kirchenleitung und Landessynode auf der Landessynode 2018 mit dem „Erprobungsgesetz“ eine Notbremse gezogen: Gemeinden und Kirchenkreise können bei fast allen kirchlichen Rechtsvorschriften einschließlich der Kirchenordnung in den nächsten fünf Jahren die Initiative ergreifen, Neuerungen mit jeweiliger Genehmigung der Kirchenleitung auszuprobieren. Den zunehmend ihrer Verantwortung beraubten Gemeinden wird damit wieder die Möglichkeit eingeräumt, kirchen- und gemeindegestaltend aktiv zu werden. Die Basis kann wieder Gemeindearbeit so strukturieren, wie es für ihre individuelle Gemeinde gut ist.

„Abgehakt“ sind damit die Träume in dem Papier der AG „Leichtes Gepäck“ von einer weitgehenden Autonomie der Kirchenkreisebene. Bei der Erprobung von Abweichungen von bisherigen Vorschriften und Verordnungen, von Regelungen der Kirchenordnung und von Gesetzen entscheidet auch in Zukunft die Kirchenleitung. Eine Interessenabwägung zwischen Gemeinden und Kirchenkreis ist damit gewährleistet.

Mit dem von der Kirchenleitung vorgelegten Erprobungsgesetz (EPG) (Drucksache 16 http://www.ekir.de/www/downloads/DS16Erprobungsgesetz.pdf geändert durch P 10 http://www.ekir.de/www/downloads/P10-Erprobungsgesetz.pdf , ausg. §1 Abs.3e) hat die Landessynode einen Rahmen geschaffen, in dem Kirchengemeinden und Kirchenkreise Möglichkeiten bekommen können, wie sie z.B. ihren „Entscheidungs- und Gestaltungsspielraum“ (EPG § 1, Abs. 2) gegenüber den bisherigen Regelungen erweitern können. Durch die Erprobungen in örtlich begrenzten und auf längstens fünf Jahren befristeten Zeiträumen wollen Kirchenleitung und Landessynode Erkenntnisse über die Folgewirkungen von Regelungen gewinnen. Auf einer solchen Erfahrungsbasis können sie dann entscheiden, ob es sinnvoll ist, neue Regelungen in allgemein geltendes Recht einzubauen.

Die Landessynode hat Abschied genommen von der Vorstellung, mit einem Gesetz oder einer Verordnung die beste Lösung für alle Gemeinden oder Kirchenkreise des Rheinlandes treffen zu können. Ein größerer Spielraum für individuellere Lösungen wird der Bandbreite rheinischer Gemeinden eher angemessen sein.

Da sich neue Regelungen ausdrücklich auch beziehen können auf „die Aufgabenwahrnehmung durch kirchliche Verwaltungen“ (EPG §1 Abs. 3b), könnte Gemeinden z.B. die Möglichkeit eröffnet sein, Gemeindeaufgaben wieder in die eigenen Hände zu bekommen:

Bauverwaltung durch professionell kompetente ehrenamtliche Baukirchmeister statt durch Verwaltungsmitarbeiter,

ehrenamtlich zu bewältigende Aufgaben können wieder auf die Gemeindeebene zurückgegeben werden,

eigenes Gemeindeamt durch teilweise Übernahme von Verwaltungsaufgaben wieder in eigene Verantwortung,

mehr Personalverantwortung und Stellenanteile für die eigene Gemeindearbeit, statt aufgeblähte Verwaltungen finanzieren zu müssen, etc. etc.

Gemeinden eröffnet sich so die Chance, starre Regelungen des Verwaltungsstrukturgesetzes und des Personalplanungsgesetzes für sich probeweise aufheben zu lassen zugunsten einer gemeindenäheren Verwaltung, die besser die Gemeindearbeit unterstützt als ferne Verwaltungsämter.

Mit dem Erprobungsgesetz kann auf die unterschiedlichen Situationen der 694 rheinischen Gemeinden wesentlich individueller und somit besser eingegangen werden. Zukünftige Regelungen gleich welcher Art werden dann frühzeitig auf ihre Wirksamkeit überprüft und durch eine Art „best practice“ optimiert.

Jetzt sind der Ideenreichtum und die Initiativen der Gemeinden gefragt, damit zukünftig kirchliches Recht nicht Gemeindearbeit unnötigerweise belastet und einschränkt, sondern die Entscheidungs- und Gestaltungsspielräume der Verantwortlichen an der Basis, der PresbyterInnen, der Gemeindeglieder, der haupt- und ehrenamtlichen MitarbeiterInnen und der PfarrerInnen gestärkt werden.

Eine Neuerung des Erprobungsgesetzes ist im wahrsten Sinne sensationell: Gemeinden können sich mit ihren Erprobungsvorschlägen erstmals direkt an die Kirchenleitung (natürlich auf dem Dienstweg) wenden. Sie müssen nicht den Weg über eine Mehrheit in ihrer Kreissynode suchen, um einen Vorschlag an die Landessynode richten zu können. Natürlich werden Kirchenkreisinstitutionen im Rahmen des Verfahrens um ihre Stellungnahme gebeten, aber die Initiative von Gemeinden kann sich direkt an die Kirchenleitung richten.

Damit führt die Landeskirche auch eine Möglichkeit ein, schnell und ohne auf den jährlichen Turnus der Synode angewiesen zu sein, Neuerungen (probeweise) installieren zu können. Erprobte gute Vorschläge könnten andere Gemeinden aufgreifen und für sich nutzen. Die Gemeindeebene, in der presbyteriale Leitungsgremien in der direkten Kommunikation mit den Gemeindegliedern stehen, bekommt damit wieder ein ihr angemessenes Gewicht bei der Gestaltung kirchlicher Arbeit.

Wenn jetzt die Gemeinden die neuen Möglichkeiten wahrnehmen und nutzen, kann dieses Erprobungsgesetz ein riesiger Schritt zu guter Gemeindearbeit und zu vernünftiger Aufsicht und Leitung sein. Nachdem sich die gewaltigen Nachteile der Umwälzungen durch Verwaltungsstrukturgesetz, NKF etc. für die Gemeinden und damit für die Basis unserer Kirche nicht mehr verschweigen lassen, kann man sich nur freuen, dass sich Kirchenleitung und Landessynode zu einem solchen mutigen Schritt der Umkehr entschlossen haben.

Anm. F.S.: Mutiger Schritt der Umkehr?

 

Barrenstein (McKinsey) reloaded: Ralf Frisch „Was fehlt der evangelischen Kirche?“

01/2018

 

So nicht! – Eine Auseinandersetzung mit dem Buch des Theologischen Referenten der Landessynode der ELKB.

Von Dr. Karl Eberlein

Vorliegendes Werk ist seitens der Präsidentin der Landessynode, Dr. Annekathrin Preidel, sehr anerkennend gewürdigt worden.[1] Also bin auch ich mit einer ausgesprochen positiven Erwartungshaltung an die Lektüre herangegangen: Erwartet habe ich mir eine seriöse, sicher auch kritische kirchliche Bestandsaufnahme. Erwartet habe ich weiter Denkanstöße,

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Sachsen: Unsicherheit lässt Kantoren abwandern

01/2018

In der Landeskirche Sachsens häufen sich die Berufswechsel von Kantoren. Landeskirchenmusikdirektor Markus Leidenberger nimmt in einem Interview dazu Stellung.

Herr Leidenberger, warum machen Sie sich Sorgen, wenn einzelne Kantoren den Beruf wechseln?
Markus Leidenberger: Für uns ist bei jedem, der geht, wichtig zu fragen, warum. Wir verlieren Kantoren an andere Landeskirchen. Die Türen an den Schulen stehen weit offen, weil sie händeringend Leute suchen. Und wir haben ohnehin Mühe, unsere Stellen zu besetzen. Früher war es nicht so leicht, als Kantor etwas anderes zu finden. Bei den Gemeindepädagogen ist das übrigens ganz ähnlich…

 

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ProPopeFrancis

01/2018

2017 haben viele Personen den Offenen Brief an Papst Franziskus unterstützt. Dieser Personenkreis erhält nunmehr die Möglichkeit zu umreissen, was er unter dem Traum des Papstes von einer „Kirche als Mutter und Hirtin“ konkret in seinem Land, in seiner Region, auf seinem Kontinent versteht. Diese Online-Umfrage unterstützt also einerseits den Traum des Papstes. Andererseits kann der Traum ganz im Sinn des Papstes in die jeweilige Kultur eingewoben werden. Der eine Traum erhält in der einen Weltkirche vielfältige Ausformungen, Gesichter, Farben und Akzente. Einheit und Vielfalt fügen sich zusammen. Solidarität und Subsidiarität werden in der katholischen Weltkirche miteinader verwoben.

Herzlich Willkommen zur Online-Umfrage zum Traum von Papst Franziskus von einer „Kirche als Mutter und Hirtin“. Bitte nehmen Sie sich Zeit, die drei offenen Fragen zu bedenken sowie die „geschlossenen Fragen“ zu beantworten.

Diese Umfrage enthält 15 Fragen.

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Juden, Christen und Muslime. Im Dialog der Wissenschaften 500-1500. Eine Austellung in Berlin.

01/2018

 

Unsere heutige wissenschaftliche Welt steht auch auf den Schultern jener jüdischen, christlichen und muslimischen Gelehrten, die im Mittelalter Schriften der Antike übersetzten, zuerst im Nahen Osten ins Arabische und dann in Europa – zu Beginn in Süditalien und Spanien – aus dem Arabischen ins Lateinische. Die Bedeutung des Wissenstransfers in dieser Epoche kann nicht überschätzt werden, auch wenn das nicht der einzige Überlieferungsstrang gewesen ist. …

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„Trump will die Politik zerstören“. Timothy Snyder im Interview, SZ

16. Januar 2018,

Timothy Snyder Timothy Snyder, 48 Jahre alt, hat fast zehn Jahre in Europa gelebt und spricht mehrere Sprachen. Seine Bücher wurden weltweit veröffentlicht. 

Der amerikanische Historiker Timothy Snyder blickt zurück auf Trumps erstes Jahr im Amt. Er fürchtet, dass der US-Präsident nicht weniger vorhat, als das Ende der Demokratie herbeizuführen.

Interview von Sacha Batthyany…

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Frühere, vollständige Beiträge von Timothy Snyder in der SZ:

7. Februar 2017, 15:06 Uhr
Timothy Snyder über Donald Trump
„Wir müssen alle jetzt aktiv werden“

Sie haben Ende des Jahres auf Facebook eine Liste gepostet: „Zwanzig Lehren aus dem 20. Jahrhundert, um Trumps Amerika zu überleben.“ Hatten Studenten Sie um Rat gebeten?

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Gott nach Sloterdijk. Eine Rezension von Wolfgang Vögele.

01/2018

Peter Sloterdijk, Nach Gott, Berlin: Suhrkamp 2017

Die Vorfreude wich während der Lektüre schnell der Ernüchterung. Der Karlsruher Philosoph hat einfach eine Reihe von Vorträgen, Essays, Auszügen aus früheren Büchern zu einem neuen Werk zusammengestellt, von dem man nach dem Titel annimmt, es handle sich um eine Auseinandersetzung mit der (christlichen) Theologie. Dass es sich genau darum handelt, das wird erst am Ende klar (s.u.)…

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NYT: Pentagon Proposes Widening Permissible Use of Nuclear Weapons. Democracy Now!

HEADLINE JAN 17, 2018

The New York Times reports that the Pentagon is proposing widening the permissible use of nuclear weapons to include responding to cyberattacks and other non-nuclear attacks to U.S. infrastructure. The Pentagon has already outlined this expanded nuclear strategy in a draft document sent to President Trump for approval….

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Fluchtursachen: Was sich fair anhört, versetzt afrikanische Staaten in Panik.

15. Oktober 2016

Während das Entwicklungsgeld weiter fließt, arbeitet die EU an neuen Handelsbeziehungen mit Afrika. Geplant sind „Economic Partnership Agreements“, also Partnerschaftsabkommen, die Brüssel jeweils mit einer afrikanischen Staatengruppe schließt. Die Verhandlungen laufen schon seit 13 Jahren, doch nicht eines der fünf Abkommen wurde seither von allen Beteiligten unterzeichnet – so umstritten sind die neuen Verträge. Sie zielen auf eine fast völlige gegenseitige Marktöffnung ab…

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