Ich unterzeichne das Wormser Wort, weil…

Von Zeit zu Zeit veröffentlichen wir hier Kommentare von UnterzeichnerInnen des Wormser Wortes:

Annegrit D. 
Wir erfahren gerade in unserer Gemeinde die Leichtfertigkeit, mit der Fusionsentscheidungen ohne angemessene fachliche Vorbereitungen getroffen werden sollen.

Anne L.
Weil ich als Pfarrerin nicht länger mit ansehen möchte, wie immer mehr Kirchen verschwinden.

Alfred K.
Es kann nicht sein, daß die Gemeinden immer mehr entmündigt werden unter dem verschleiernden Vorwand, sie von ihren Aufgaben der Verwaltung zu entlasten, oder Angebote zusammenzufassen auf „Dekanatsebene“. Dies ist eine Abwertung der Menschen, die sich in der Kirche engagieren.

Jossi A.
1. Durch eine Spezialseelsorgearbeit bin ich mit vielen deutschen Kollegen und Kolleginen verbunden. Deshalb ist es mir nicht einfach egal was so in D ganz allgemein und in den Landeskirchen geschieht.
2. Auch wenn bei uns die Strukuren sehr unterschiedlich sind – mach Wasserköpfler/in schaut gerne über die Grenze, was sich so in den dt. Landeskirchenämtern so tut…

Ulrike P.
… ich mir für die Basis mehr hauptamtliche Mitarbeiter wünsche, und mehr Förderung für die ausgedünnten Gemeindebereiche. Von nichts kommt nichts! Und wer nicht reichlich sät, der wird auch nichts ernten. Besonders in der Arbeit mit Menschen!

Kurt D.
Mitglied der Kirche wird man nur durch die Basigemeinde, den direkten Kontakt mit den Glaubenden. Die Leute in der Verwaltung sind wie die „Etappenhasen“ früher, aber an der Front- der Basigemeinde- entscheidet sich das Schicksal. Warum wollen die Leute in der Etappe, all diese Innendienstpastoren- nicht an die Front? Statt dessen behängen sie sich mit Goldkreuzen und immer neuen Etappenfunktionen.

3 Gedanken zu „Ich unterzeichne das Wormser Wort, weil…

  1. Dr.Kurt Schröder

    Die Kirche lebt von der Basis der Ortsgemeinde her. All die Innendienstpastoren sind in n der >Tat die Etappenhasen, die den Frontleuten vorschreiben, wie sie handeln sollen.Selbst sind sie dazu nicht in der Lage.
    Vielleicht ist das Kernproblem der Kirche ein anderes: Es mangelt an Pastoren- also Hirten- die die Fähigkeit besitzen, die Gemeinde zusammenzuhalten und zu vermehren.
    Der Pastor bekommt am Sonntag sein Zeugnis: die leere Kirche. So sagt ein selbstständiger Arzt: ein leeres Wartezimmer spricht nicht gegen die Patienten- sondern ?
    Die Versager sammeln sich dann im Innendienst und schreiben vor, was zu tun ist- sie sind die Etappenhasen.
    Ihnen kann aber nichts passieren, denn ihr Gehalt kommt aus der Steckdose.
    Ein Selbstständiger geht pleite und verschwindet.

    Antworten
    1. Andreas Reinhold

      Leere Gottesdienste sind nicht immer ein Zeichen für unfähige PfarrerInnen. Oft fehlt es an der fehlenden Beziehung. Es ist ja auffallend, dass in relativ kleinen Gemeinden auf dem Land der Besuch nicht selten überdurchschnittlich hoch ist. Ähnliches lässt sich auch für die Wahlbeteiligung bei Presbyterwahlen feststellen. In fusionierten Kirchengemeinden mit über 2.500 Gemeindegliedern, bei denen während der Zusammenlegung oft noch Pfarrstellen eingespart werden, ist ein seelsorgerlich verantwortbarer Beziehungsaufbau kaum noch zu leisten. Das fängt bei weniger Geburtstagsbesuchen an und hört bei ausfallenden Gottesdiensten nicht auf. Wer dem Bedeutungsverlust der Kirche entgegenwirken will, muss m.E. dort investieren, wo sich Bindungsfähigkeit am meisten auswirkt: an der Basis.

      Antworten
  2. Manfred Günther

    Mein Gedicht aus dem Jahr 2009 passt immer noch (immer mehr?):

    Dem Kirchenpräsidenten auf den Weg
    Eine Bitte, die (Land-)Gemeinden nicht zu vergessen!

    Nun kommt nach langen dunklen Jahren,
    da Kirchenäcker steinig waren,
    ja hoffentlich ein neuer Tag
    mit wieder geistlichem Ertrag!

    Auch hoffe ich, dass Theologen,
    was die Strukturreform verbogen,
    bald wieder richten – aus dem Wort! –
    (soweit das möglich ist!) vor Ort

    und tätig dort, wo Christen wohnen.
    Die Zukunft möge uns verschonen
    vor unsrer Leitung starkem Drang,
    durch den sie viele Jahre lang

    die Kirchenbasis (die Gemeinden!),
    als zähle sie zu ihren Feinden,
    beschädigt und entmachtet hat.
    Man spürt’s vielleicht nicht in der Stadt,

    wo einige gemeinsam tragen.
    Doch für das Land ist klar zu sagen:
    Die Dörfer buchen nur Verlust!
    Mit Recht verbreitet sich der Frust

    bei den KVs und Synodalen
    (man spürt’s jetzt bei den Kirchenwahlen!),
    bei Pfarrern auch und noch viel mehr!
    Längst fühlt man sich im Dienstverkehr

    als Pfarrer ländlich kleiner Orte
    ja wie ein Mensch von zweiter Sorte,
    mit dem man lieber gar nicht spricht.
    Wovor er warnt, das hört man nicht,

    zum Beispiel: nicht zu übereilen
    die Dorfgemeinden aufzuteilen …
    Man teilt sie dann besonders gern,
    doch bleibt danach den Folgen fern,

    die meist in kurzer Frist sich zeigen:
    Wenn Kirchengliederzahlen steigen,
    für die ein Pfarrer eingesetzt,
    wird nicht nur Tradition verletzt,

    nein, auch die Mitarbeiter fliehen,
    beginnen sich zurückzuziehen:
    Gemeindearbeit ist bedroht
    und bald ist die Gemeinde tot,

    die einst lebendig war und rege.
    Vor allem führ’n dann keine Wege
    zurück zur Kirche früh’rer Zeit.
    Hier wird aus falscher Sparsamkeit

    das Pfund, das wir zum Wuchern haben,
    für immer tief im Sand vergraben
    und niemand holt es mehr herauf!
    Nimmt das so weiter seinen Lauf,

    dann ist das Land bald abzuschreiben.
    Doch hoffe ich, so wird’s nicht bleiben.
    Wir brauchen einen neuen Plan!
    Das Land ist Land und nicht urban

    und anders, was dort Christen wollen:
    Nicht „halbe“ Pfarrer, nein, den „vollen“,
    der reichlich Zeit, dazu das Geld
    für einen guten Dienst erhält,

    um statt zu sparen und zu straffen
    selbst dort bald wieder Frucht zu schaffen,
    wo heut’ die Felder leer und kahl.
    Dafür – als erstes Initial –

    wär’s gut, sich „oben“ zu bequemen,
    Gemeinden wieder wahrzunehmen,
    die dörflich, ländlich strukturiert.
    Wer richtig hinschaut, der verliert

    das liebgeword’ne falsche Denken:
    Man könne sich die Mühe schenken,
    in der Provinz sei eh nichts los!
    Zwar sind Gemeinden hier nicht groß,

    doch sehr aktiv – wenn wir sie lassen,
    nicht teilen, bis die Zahlen passen,
    streng nach Gesetz und darum schlecht!
    Denn das Gesetz ist ungerecht

    und fragt nach Quantität und Masse
    und nicht nach Kirchlichkeit und Klasse! –
    Nun glaub’ ich, dass der Präsident
    aus eigener Erfahrung kennt,

    was hier (nur ziemlich grob) beschrieben.
    Doch ist’s ihm auch im Sinn geblieben
    nach seinem Umzug in die Stadt?
    Wer Kirchenleute um sich hat,

    die nie im Dienst des Lands gestanden,
    dem kommt vielleicht ganz schnell abhanden,
    was früh’r ihm selbstverständlich war.
    Denn eines ist doch wohl ganz klar:

    Die meisten aus der Kirchenleitung
    erleben Kirche in der Zeitung
    und selten als Gemeindeglied.
    Doch wer mit fremden Augen sieht,

    wird kaum im Herzen auch empfinden,
    wie stark Gemeindebande binden
    und was man einem Menschen nimmt,
    wenn man von oben her bestimmt,

    die Kirchenheimat ihm zu teilen.
    Was erst halbiert, wird nicht mehr heilen
    (wir sehen’s doch schon hier und dort!). –
    Jetzt noch, Herr Präsident, ein Wort

    zur Rolle Ihrer Fachberater:
    Da geht’s, so nenn’ ich’s, um „Theater“
    bei Kirchentag und Groß-Events
    (das Feld des Medienreferents!):

    Man lässt die Kirche bunt erstrahlen
    und freut sich an den großen Zahlen.
    Die Menschen sind auch gerne da,
    die Schau entlockt manch „Oh!“ und „Ah!“

    Doch andre gingen unterdessen
    bei dieser Arbeit ganz vergessen:
    Die nämlich sind an ihrem Ort
    und können dort auch gar nicht fort

    und zum Event ist’s weit zu fahren! –
    Wer wird es ihnen offenbaren,
    wo unsrer Kirche Mehrheit wohnt
    und dass sich jeder Einsatz lohnt,

    auch ihre Mitgliedschaft zu pflegen!
    Auch Land-Arbeit bringt reichen Segen,
    weil hier ein tiefer Glaube lebt! –
    Ein andrer „Stabsbereich“ erstrebt

    die Mehrung kirchlicher Finanzen:
    Gibt’s wohl Ertrag, Verlust im Ganzen
    und ob die Kirchensteuer reicht?
    Es fehlt die Sicht, die auch vergleicht:

    Was bringen geistlich diese Kosten?
    Nützt der Gemeinde dieser Posten?
    Es zählt die Zahl nur unterm Strich.
    Man denkt und handelt wirtschaftlich:

    So mancher Dienst gilt als verloren,
    die Zeit dafür als „Sparfaktoren“!
    Denn anders kann man’s gar nicht seh’n,
    weil, wenn wir in die Praxis geh’n,

    erkennt man schnell (was nicht verwundert!),
    ein Pfarrer nur für Siebzehnhundert –
    da bleibt für anderes nichts mehr:
    Besuch, Beratung leiden sehr,

    genau wie Kinder-, Jugendkreise.
    Wer plant noch die Gemeindereise,
    wie’s vielerorts doch üblich war?
    So manches, was man übers Jahr

    in früh’ren Zeiten angeboten,
    zählt heute zu den arg bedrohten
    und oft schon eingestellten Dingen.
    Fast denkt man selbst, dass sie nichts „bringen“:

    Bei Überlastung zu beschwerlich!
    „Nur“ fröhlich, darum wohl entbehrlich.
    So also wirft man manches hin. –
    Was aber bleibt dann als Gewinn?

    Macht uns der Blick in volle Kassen
    allein schon sicher und gelassen,
    wir hätten unsern Dienst getan?
    Ist’s Überhebung nicht und Wahn

    und eitles, äußerliches Denken,
    die Kirche sei durch Geld zu lenken,
    beziehungsweise Sparsamkeit?
    Wann endlich, es ist höchste Zeit,

    setzt einer neue, gute Ziele:
    Der Sparfaktoren gibt es viele,
    doch niemals steh’n sie obenan!
    Was Kirche wirklich gründen kann

    steht ein für allemal geschrieben:
    Die Menschen, grad die Schwachen lieben
    und ihnen wirklich nahe sein!
    Gemeinde, ist sie noch so klein,

    braucht ihren Pfarrer, er ist wichtig!
    Hier abzubauen ist nicht richtig
    und rächt sich schneller als man glaubt.
    Wer Menschen Hirt und Heimat raubt

    zerstreut des großen Hirten Herde! –
    Wie wünsch’ ich, dass es anders werde:
    In Stadt und Land, an jedem Ort
    zuallererst nach SEINEM Wort!

    Manfred Günther

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.