Kollaps der Kontexte. In der Digital-Ära wird der Kontrollverlust zur Alltagserfahrung – und der Skandal allgegenwärtig. Ein Esay von Prof. Bernhard Pörksen und Hanne Detel

11/2015

„… Niemand kann sagen, welche seiner Äußerungen oder Handlungen schon morgen einen Skandal auslösen oder ihn womöglich weltweit zum Gespött machen werden. Niemand vermag sich die Eventualität eines öffentlichen und im Extremfall global vernehmbaren Echos auch nur annähernd vorzustellen – und schon heute dementsprechend zu handeln. Menschliches Bewusstsein und mediales Sein haben zu keinem Moment der Menschheitsgeschichte wirklich zueinander gepasst. Es ist das Wesen von medialer Kommunikation, über sich selbst hinauszuweisen und zuverlässig Überraschungen zu produzieren, kalkulierbare Unkalkulierbarkeit. Aber noch nie klafften die moderne Medienwelt und das Gespür für die öffentlichen Fernwirkungen eigener Äußerungen und Handlungen in derart dramatischer Weise auseinander wie heute. Möglichkeitsblindheit, so könnte man das fehlende Gespür für extreme Kommunikationseffekte nennen, die prinzipiell unbeherrschbar sind. …

Kleinere und größere Normverletzungen, echte und falsche Skandale, Missverständnisse, Provokationen und Peinlichkeiten verwandeln sich, einmal digitalisiert, in leicht revitalisierbare Zombie-Informationen, stetig wiederkehrende Realitätskürzel und Chiffren der persönlichen, nun auf Dauer demolierten Existenz. Das eigene Image wird zur Summe der Treffer, die eine Suchmaschine prominent platziert… “  Zum Essay.

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