Die Rolle der Kirche in der Zukunft Europas. Von Prof. Dr. Jindřich Halama, Prag

05/2016, Pfälzer Pfarrerblatt

Abgesehen davon, dass ein Ethiker keine Qualifizierung zur Prophetie hat, habe ich ein paar Gedanken zusammengebracht, die die Kirche in Europa angehen und sie sind auch, mindestens teilweise, zukunftsorientiert.
Die Prognosen sind ein Feld der Statistiker, Soziologen, nicht der Theologen. Sie arbeiten mit Zahlen und die Zahlen sollen uns, Theologen, doch nicht bestimmen. Trotzdem ist es interessant zu wissen, was die Zahlen zeigen. Nach den soziologischen Daten waren um 1900 95 Prozent der Europäischen Bevölkerung Christen. Bis 2000 hat sich der Anteil der Christen an der Bevölkerung auf 75 Prozent verkleinert. Nach dem Eurobarometer 2012 haben die Christen in der EU einen Bevölkerungsanteil von 72% (48% katholisch, 12% evangelisch, 8% orthodox, 4% andere). Die soziologische Forschung „World Values Survey“, die seit 1981 unter anderem auch die Religiosität verfolgt, zeigt in den letzten 20 Jahren des 20. Jahrhunderts eine Abnahme der Religiosität um etwa 5–7% in vielen EU Ländern.

Wie stark und wie wichtig wird das Christentum und werden die Kirchen im zukünftigen Europa sein? Darauf gibt es keine einfache Antwort. Sogar eine komplizierte Antwort reicht nicht aus. Es gibt eine Reihe von Antworten, die mehr oder weniger überzeugend erscheinen.

Der anglikanische Ethiker Robin Gill (University of Kent, Canterbury – Sociological Theology, 3 Bände, Ashgate 2011-2013) legt vier verschiedene Paradigmen vor, wie die Entwicklung der Religion in der modernen Welt interpretiert wird und auch weitergehen kann:

a) Säkularisierungs-Paradigma
Die Entwicklung der modernen Welt hat die „Entzauberung“ der Welt gebracht und damit einen fortschreitenden Niedergang der Religion. Diese Theorie existiert seit dem Ende des 19. Jahrhundert und rechnet mit einer Zukunft ohne Religion. Die Hypothese war einflussreich in den 60er Jahren (H. Cox, J. A. T. Robinson) und hat sich nicht bewährt. In den letzten 20 Jahren spricht man eher über eine Rückkehr der Religion.

b) Das entspricht dem zweiten Paradigma – Persistenz-Paradigma
Diese Perspektive rechnet damit, dass Religion unabtrennbar mit unserem Menschsein verbunden ist, und wenn sie nicht mehr in der traditionellen Weise ausgeprägt ist, transformiert sich unsere Religiosität in andere Gestalten. Sie kann aus unserem Leben nicht verschwinden, muss sich jedenfalls in einer anderen Form manifestieren (Sport, Hobbys, quasi-religiöse Ideologien etc.)….

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