„Also, liebe Gemeinden, werdet attraktiv für die wenigen BewerberInnen“

Rein rechnerisch kann der Bedarf an Pfarrerinnen und Pfarrern in der Evangelischen Kirche von Westfalen erst im Jahr 2030 nicht mehr gedeckt werden, so heißt es in dem zitierten Papier zur Personalplanung. (Was heißt „erst“? Siebzehn Jahre vergehen schnell, vor dem Hintergrund, dass heute bereits Theologie studieren muss, wer in zehn Jahren eine Pfarrstelle übernehmen soll.) Diese Rechnung geht allerdings nur dann auf, wenn
1. sämtliche EntsendungsdienstlerInnen sich tatsächlich in Pfarrstellen berufen lassen (Das bedeutet, dass viele vom Entsendungsdienst getragene Arbeitsbereiche wegfallen und ist auf Kirchenkreis- und Gemeindeebenen nicht überall so gewollt.)
2. der zur Verfügung stehende Nachwuchs tatsächlich in Westfalen bleibt (Warum sollte er, wenn er in anderen Landeskirchen besser bezahlt wird? Die Provinzialität der Landeskirchen ist kein Modell, das dem Lebensgefühl moderner Menschen entspricht und Ehepartner sind bei der Wahl des Arbeitsplatzes heutzutage auch kaum an Grenzen ehemals preußischer Provinzen zu binden. Das neue Pfarrerdienstrecht eröffnet jedenfalls die Möglichkeit ganz neu, das Berufsleben nicht mehr in einer einzigen Landeskirche zu verbringen. Und es gibt Landeskirchen, die bereits heute BewerberInnen suchen.).

Presbyterien sollten sich darauf einstellen, dass sie sich um Bewerberinnen und Bewerber auf freiwerdende Pfarrstellen weit mehr als in den vergangenen Jahrzehnten wirklich bemühen müssen. Es ist bereits heute nicht mehr so, dass zig KandidatInnen sich um eine Stelle balgen. Und die bürgerliche Idee, einen männlichen Bewerber in der Familiengründungsphase für das unwirtschaftliche Pfarrhaus zu finden, wie sie nicht selten immer noch tradiert wird, wird sich immer schwerer realisieren lassen. Also, liebe Gemeinden, werdet attraktiv für die wenigen BewerberInnen, die in den nächsten Jahren sich für eure freie Pfarrstelle interessieren. Apropos: Sämtliche potentiellen BerwerberInnen für 2013 und 2014 befinden sich bereits im kirchlichen Dienst, können bereits heute identifiziert und angesprochen werden!

Kommentar von Stephan

 

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