Warum die Doppik in der Kirche obsolet ist – anhand Prof. Fredmund Malik erklärt

Der eigentliche Zweck der Doppik besteht in der Darstellung des Vermögens, des Wertes, eines Unternehmens.  Für wen aber ist dieser Wert in der Kirche überhaupt relevant? Für einen Kirchenvorstand? Für ein anderes Leitungsgremium? Für wen und in welchen Fällen also ist der Wert bedeutsam? Hierauf gibt Prof. Fredmund Malik, St. Gallen, in seiner Management-Lehre folgende allgemeine Antwort:

„Der Wert des Unternehmens ist nur bedeutsam für Leute, die das Unternehmen als solches oder Teile davon kaufen bzw. verkaufen wollen. Für die unternehmerische Tätigkeit des Unternehmens selbst, für das eigentliche Wirtschaften also, stellt sich die Frage nach dem Unternehmenswert überhaupt nicht, sondern es stellt sich jeden Tag neu die Frage nach der Leistungs- und Konkurrenzfähigkeit.“

Fredmund Malik, Management. Das A und O des Handwerks, Frankfurt/New York 2008, S. 62

Übertragen auf die Kirche kann man bei den ergriffenen Maßnahmen der zurückliegenden Jahre von einem Teilverkauf des Immobiliensektors reden. Das ist ein eigenes Thema. Vergleichen Sie dazu den früheren Beitrag der wort-meldungen. Wir interessieren uns mehr für den zweiten Satz: „Für die unternehmerische Tätigkeit des Unternehmens selbst,… stellt sich die Frage nach dem Unternehmenswert überhaupt nicht, sondern es stellt sich jeden Tag neu die Frage nach der Leistungs- und Konkurrenzfähigkeit. Ein Satz mit Sprengkraft. Man muss nur die Worte leicht modifizieren und damit den Inhalt aus der Unternehmenswelt auf den der Kirche übertragen. Der Satz lautet dann: Für die Tätigkeit(en) der Kirche selbst stellt sich die Frage nach dem Unternehmenswert überhaupt nicht, sondern es stellt sich jeden Tag neu die Frage nach der Leistungsfähigkeit in Hinblick auf alle gewünschten und notwendigen Tätigkeiten der Kirche, bestehend in der inhaltlichen Arbeit an den Menschen in Gemeinde und Funktion und den erforderlichen unterstützenden (administrativen und organisatorisch-partizipativen) Tätigkeiten. Für diese Zwecke benötigt man die Doppik in er Tat nicht. Die Doppik ist in diesem Sinne für die Kirche völlig nutzlos und obsolet.
Das heißt aber nicht, dass es keine Information(en) bräuchte! Stehen etwa in Teilbereichen, (einer Gemeinde, einer Einrichtung etc.) Veränderungen an, wie z.B. der Verkauf eines einzelnen (!) Immobilien-Objektes, wird selbstverständlich ein individueller und präziser Wert als Grundlage und zum speziellen Zweck des Verkaufs benötigt. Diesen präzisen Wert liefert aber die Doppik dann gerade nicht, denn der Wert der Doppik ist für solche Zwecke nicht gedacht und viel zu ungenau. Dazu bedarf es hier z.B. eines Gutachtens. Analog gilt das für die Planung der Instandhaltung der Gebäude, also der Bildung von Rücklagen. Auch dafür ist die Doppik zu ungenau und liefert namentlich bei einem Bestand wie dem der Kirche notorisch zu hohe Werte. Folglich müssen dann viel höhere Rücklagen gebildet werden, als erforderlich. Erforderlich wäre eine nicht an pauschalen Kennziffern, sondern an Realdaten orientierte Instandhaltungsplanung. In Fällen der konkreten Arbeitsabläufe kirchlicher Administration ist also die Doppik zu ungenau. Denn sie verfolgt ja, siehe oben – ein anderes Ziel.

Wem soll also die Doppik nutzen? Dazu eine fatalistische Anmerkung: die Doppik hat natürlich Nutznießer. Denn ihre Einführung ist teuer. Offiziell ist in größeren Landeskirchen von 40-50 Mio. € die Rede. Die wahren werte dürften aber – wie bei den Darstellungen von Bundesländern auch – deutlich darüber liegen. Man wird für die Umstellung auf die Doppik in den Landeskirchen sicher mit 1 Mrd. € zu rechnen haben. Die ev. Kirchen bauen also keine teuren Bischofspaläste, sie bauen Doppik-Schlösser. Um nur ein Beispiel zu nennen.
Fazit: ein wirklicher Nutzen der von der Doppik gelieferten Steuerungsziffern für die Kirche ist nicht vorhanden. Vielleicht sollte die EKD- Synode in Düsseldorf mal über dieses Problem diskutieren… Bevor sie die in der Kirche mit Engagement Arbeitenden weiterhin mit unnötiger und damit frustrierenden Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen belästigt und belastet. Und bevor sie weiter das Geld der Kirchensteuerzahler aus dem Fenster wirft.

Friedhelm Schneider

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