Baden: Dekanin wird von Bischof gemaßregelt. Sie habe sich zum „Sprachrohr für manche pfarrerliche Larmoyanz“ gemacht

Vor einiger Zeit erschien ein interessanter Vortrag, gehalten von Stadtdekanin Schwöbel, Heidelberg und Stadtdekan Engelhard, Freiburg. Die beiden machten sich schuldig, die Wirklichkeit nicht nur wahrgenommen, sondern auch die bestehenden Probleme beim Namen genannt zu haben. Und das als Dekane – als Kirchenleitung „in der Region“. Die Folgen selbständigen Denkens bestand in einer postwendend ausgesprehenen Maßregelung durch den Bischof. Beschuldigung: die Dekanin machte sich zum „Sprachrohr pfarrerlicher Larmoyanz“. Ein Ereignis, das Bände spricht über den Kulturwandel der Kirche und seiner Führungskräfte sowie die Lage der Ev. Kirche und die Verfassung des Protestantismus.

Noch mal der Reihe nach:

Dr. Marlene Schwöbel und Markus Engelhardt:

„In den vergangenen Jahren haben sich das Pfarrerbild und der Pfarrberuf sehr schnell und sehr grundlegend verändert. Dieses ist der Ausgangspunkt für einige Beobachtungen, die wir gemacht haben. Mit Ihnen, Euch gemeinsam möchten wir uns darüber austauschen, ob diese Erfahrungen und Beobachtungen verallgemeinert werden können und wie wir in unserer Kirche damit konstruktiv umgehen sollten oder können. Auf fünf Punkte möchten Markus Engelhardt und ich (Marlene Schwöbel, Anm. F.S.) uns heute beschränken. Diese Punkte sind als Anregung zur Diskussion gedacht, vielleicht sind sie auch ein bisschen eine Provokation. Wir haben uns gewünscht, dass wir einmal zunächst unter uns diskutieren können, ohne die Kirchenleitung.
1. Package Deal?

2. Pfarramt und Familie

3. Welche Wertschätzung erfährt unsere Ausbildung in Kirche und Gesellschaft?

4. Das Verhältnis von Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen

5. Residenzpflicht “

Lesen Sie den überaus interessanten Vortrag der beiden badischen Stadtdekane, abgdruckt im jüngsten Bad. Pfarrerblatt.

Die Maßregelung von Landesbischof Ulrich Fischer:

„Durch die zahlreichen Kontakte mit Ihnen, liebe Schwestern und Brüder habe ich mir über all die Jahre auch einen offenen Blick für die Probleme und Nöte der Pfarrerschaft wahren können. Es ist keineswegs so, wie bisweilen vermutet, dass ich als Landesbischof nicht mehr wüsste, was an der pfarramtlichen Basis „los sei“. Frau Dekanin Schwöbel-Hug sagte vorhin,„man sollte wissen, wo und wie man sich auseinandersetzt“. Daran will ich anknüpfen. Es bekümmert mich schon, wenn etwa Leitungspersonen unserer Kirche – wie jüngst im Pfarrvereinsblatt zu lesen war – meinen sich, gegenüber dem Evangelischen Oberkirchenrat und dem Landesbischof zum Sprachrohr für manche pfarrerliche Larmoyanz machen zu müssen, gerade so, als wüssten wir in der Kirchenleitung nicht um Veränderungen im Pfarr-
beruf, die manche Beschwernisse mit sich bringen.“ Der Abschiedsvortrag von Landesbischof Fischer.

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