„Wir sind Kirche“- Vorsitzende exkommuniziert: „Mit zweierlei Maß gemessen…“

Die katholische Laienbewegung „Wir sind Kirche“ setzt sich für Reformen ein. Die österreichische Vorsitzende wurde jetzt mit der größtmöglichen Strafe belegt und exkommuniziert. Sie hat privat Gottesdienste gefeiert – ohne einen Priester.

Es ist die schärfste Strafe, die über Katholiken verhängt werden kann: die Exkommunikation. Wer damit belegt wird, darf nicht nur keine kirchlichen Ämter mehr ausüben – sondern auch keine Sakramente mehr empfangen. Vom Empfang der Hostien im Gottesdienst sind derart Verstoßene ebenso ausgeschlossen wie von der Beichte oder der Krankensalbung. Getroffen hat diese Strafe nun Martha Heizer, die österreichische Vorsitzende der Basisbewegung „Wir sind Kirche“…  Zum Bericht der SZ.

Zweierlei Maß – Stellungnahme zur Exkommunikation von den Betroffenen, Martha u. Gert Heizer

22.05.2014, Elmar Fuchs

…Durch den „Versuch, unerlaubt Eucharistie zu feiern“ fallen wir unter die „drei schweren Vergehen“, die sofort dem Vatikan gemeldet werden müssen. Dazu gehören auch die Verletzung des Beichtgeheimnisses und der sexuelle Missbrauch. Es entsetzt uns ungemein, dass wir uns in der gleichen Kategorie wie priesterliche Missbrauchstäter wieder finden. Besonders erbittert es uns, dass wir von keinem einzigen Missbrauchstäter wissen, der exkommuniziert worden wäre. Es wird also mit unterschiedlichem Maß gemessen…
Der vollständige Text.

 

 

 

 

Ein Gedanke zu „„Wir sind Kirche“- Vorsitzende exkommuniziert: „Mit zweierlei Maß gemessen…“

  1. Clemens Wolf

    1. – man/frau kann nicht unerlaubt Eucharistie feiern. Das ist in sich widersinnig – also falsch. Eucharistie ist die Einladung Christi, mit ihm das Brot zu brechen, Mahl zu halten. Es gibt keinen Grund und es steht nirgendwo geschrieben, dass dies nur sogenannte „geweihte Männer“ dürfen.

    2. – Das Beharren auf der Exklusivität der Männer-dominierten Eucharistie-Feier-Erlaubnis ist zudem schein-heilig: es wird der Anschein erweckt, als sei die Handlung des Brotbrechens etwas so heilig-außergewöhnliches, dass ein „göttliches Gebot“ dies ausschließlich den „Aposteln“ übertrage und einräume. Dem steht Christi Wirken und das Primat des „Volk Gottes“, entgegen. Alle, die an IHN glauben, sind Mitglieder der königlichen Priesterschaft und berufen, zu verkünden und zu erinnern. (Palotti).

    3. – Scheinheilig ist auch die Begründung der Exkommunikation: man sorge sich (in Rom und beim Ortsbischof) um das Seelenheil der Betroffenen. Umgekehrt wird ein „Schuh“ daraus: die geweihten vatikanischen Gerontokraten machen sich Sorgen, dass Menschen des Glaubens ihnen in ihre vermeintlichen Pfründe einbrechen und ihnen ihre Bedeutung als heilige Männer herabsetzen. Heilig ist allein der HERR, niemand sonst. Das bedeutet nicht, dass man nicht ein gottgefälliges Leben eines „Heiligen“ anerkennt, doch dazu bedarf es keiner gigantischen Zeremonie. Nichts spricht dafür, den Pomp und Protz sich zu eigen zu machen, um sich selbst zu erhöhen. Die Legende, man ehre damit Gott, hat Christus schon durch sein Leben und Wirken, durch seinen erbärmlichen Tod am Kreuz, überwunden. Seine Sicht, so scheint es das Evangelium mitzuteilen, ist die Sicht auf die Erbarmungswürdigen. Die Kirche aber sichtet selbst vor allem ihre Einflüsse an Macht und Herrschaft.

    4. – Exkommunizieren ist eine vatikanische Angst-Reaktion auf den wachsenden Druck aus der – allerdings immer kleiner werdenden – Schar des Gottesvolkes. Der Vatikan aber ist weder begründet, noch heilig; dessen Mitwirkende sind weder „berufen“ noch „gewählt“; ihre Sorge um ihre Bedeutung findet sich ausdrücklich im einschüchternden Pomp und Protz, in Glanz und Gloria, dessen allein sie sich „bemächtigt“ haben, sie allein darüber bestimmen wollen.

    5. – Niemand aus der Kaste der „geweihten Männer“ hat das Recht, für sich auch nur den Ansatz einer endgültigen Entscheidung über oder gegen etwas zu treffen: Das Wort „was ihr auf Erden bindet, soll auch im Himmel gebunden sein“, kann auch etwas ganz anderes heißen: nämlich bemüht Euch um Wahrheit und Wahrhaftigkeit, hört, lernt und geht mit dem Volk Gottes, seid äußerst vorsichtig mit dem, was ihr glaubt, entscheiden zu können, zu dürfen; nehmt Rücksicht auf das Leben der Menschen, ihre Bemühungen, ihre Leiden und ihren Glauben. Da nach Christus nichts vollkommen ist außer dem Vater, zu dem er – dieser Tage wieder einmal symbolisch – auffährt, gibt es keine einzige unumstößliche kirchliche Entscheidung. Das Evangelium darf, um wirksam zur geistlichen, kulturellen und sozialen Bildung und Bindung der Menschen beizutragen, hinterfragt, von allen Seiten „besichtigt“ und vor allem am Leben orientiert verstanden werden. Alles andere würde es einer fundamentalistischen Religion ver-ähnlichen.

    6. – Wenn jetzt – damit zurück zum konkreten Konflikt – die Ex- und Noch- WSKler die jetztige Vorsitzende Martha Heizer und ihren Mann auffordern, zurückzutreten und abzutauchen, betreiben sie genau das Geschäft der Bischöfe und des Vatikans. Die schlagen sich wahrscheinlich vor Freude auf die Schenkel, dass Ex-WsK-ler sich in ihrem „Gutmenschentum“ – man könnte auch sagen: in ihrer bisherigen Bemühung um immerwährende Annäherung an die offizielle Kirche – ihnen die Arbeit abnehmen. Besser kann es für die vatikanischen Gerontokraten gar nicht laufen!

    Ich appeliere aus ganzer Überzeugung – das ist bei mir Herzensangelegenheit und nicht, wie bei vielen Theologen, wissenschaftlich-gefärbter rationaler Geisteserguss – an Martha Heizer und die WsK, sich nicht einschüchtern zu lassen, wenn es um die Akzeptanz der vermuteten Kompetenz der Amts-Kirche geht.
    Bleiben Sie bei dem, was Hunderttausende Christen längst praktizieren, allerdings ohne aufzufallen und ohne dass viele derselben Priester, die sich an anderer Stelle auf menschlich bitterste Weise blamiert haben (Missbrauch), das „Treiben“ unterbinden. Die Zahl der im kleinen Kreis die Eucharistie feiernden Christen nimmt ständig zu – die der Austritte aus der Amtskirche auch. Das nennt man auch „Balance“: der Glaube ist nicht verloren, nur die Kirche wird mehr und mehr Probleme haben, überzeugend zu erscheinen.

    Wir brauchen in der Kirche mutige Menschen, die bereit sind, für ihre Überzegungen auch solche Demütigungen wie eine Exkommunikation hinzunehmen. Man kann sich aber auch fragen, ob eine solche „Strafhandlung der Amtskirche“ überhaupt irgendetwas bewirkt, was innerliche Verbundenheit mit dem Leben, Sterben und Erlösen unseren Herrn Jesus Christus betrifft. Eigentlich schimmern die alten Machtstrukturen immer noch durch die Kirchenfenster. Nur auf den Scheiterhaufen schicken, das geht heute – GOTT sei Dank – nicht mehr.

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