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Das Podium auf dem Katholikentag und Ablasshandel – Frauke Petri unter der Lupe

Frauke Petri hat dem Deutschlandfunk ein viel beachtetes Interview gegeben. Ich gehe nur auf zwei Punkte ein, die Kirche betreffen.

Petri äußert Unverständnis dafür, dass keinE VertreterIn der AfD auf ein Podium des Katholikentags eingeladen wurde:“Viel mehr enttäuscht mich aber die Tatsache, dass Kirche damit etwas tut, was sie zutiefst ablehnen müsste und damit unchristliches Verhalten sondergleichen an den Tag legt. Denn, wenn es etwas gibt, was ich über Kirche gleichermaßen, ob katholisch oder evangelisch, bereits in frühen Kindertagen wohlwollend gelernt habe, dann war das, dass die Türen für jedermann offen sind. „

Meiner Meinung nach vermischt oder verwechselt Petri hier zwei Kategorien. Als Teilnehmenden stehen alle Türen offen. Und ich bezweifele, dass Petri und andere Funktionäre nicht als Katholiken oder Interessierte auf dem Katholikentag als Gäste anwesend sein durften.

Die Einladung auf ein Podium ist etwas anderes. Der Katholikentag ist eine Werbemaßnahme der katholischen Kirche. Sie richtet sich an die Vergewisserung der eigenen Anhänger und an die Öffentlichkeit der Republik. Als Veranstaltende hat die katholische Kirche das Recht sich ein genehmes Podium, die ihre gewollte Außenwirkung entfaltet einzuladen. Im Gegensatz zu Talkshows im öffentlich rechtlichem Fernsehen hat jeder Gastgeber dazu sein Recht. Genauso darf die Fifa eine Diskussion ohne unabhängige Korruptionsexperten und die Metzgerinnung ein Podium ohne Veganer besetzten.

Natürlich hat Petri auch ein Recht sich zu beschweren. Das steht jedem nicht eingeladenen zu. Eine Kontroverse war nicht erwünscht und damit sind sicherlich auch viele KatholikInnen in ihrer Meinung nicht repräsentiert gewesen.

Beides ein genehmes Podium und eine Beschwerde nicht berücksichtigt zu sein sind legitim. Es hat mit christlichen Werten nur wenig zu tun.

Was leider unter geht. Der Tonfall der Nichteinladung ist das Kritik würdigste. Warum muss im Vorfeld explizit mitgeteilt werden keine PolitikerInnen der AfD auf einem Podium einzuladen. Viele andere Organisationen saßen wahrscheinlich ebenso auf keinem Podium. Wurden aber nicht in der Presse ausdrücklich erwähnt.

Man kann die Besetzung der Podien auch wesentlich politischer als ich deuten, wie es Klaus-Rüdiger Mai im Cicero schreibt.

Schwerer zu Knacken ist Petris Vorwurf, die Kirche betreibe mit den Flüchtlingen Ablasshandel. Mir wird trotz direkter Frage im Interview nicht klar, was Petri damit sagen will.

Als erstes führt sie „eigene Interessen“ an. Wahrscheinlich ist damit der Gewinn der karitativen Werke der Kirchen intendiert. Die eigene Bereicherung in einem freiem Markt (Ich unterschlage hier bewusst Wettbewerbsvorteile der Kirche durch das andere Arbeitsrecht.) ist kaum eine passende Erklärung für die Metapher. Zwar hat sich die Kirche auch am Ablass bereichert. Dies geschah jedoch teils in betrügerischer Absicht und im Tausch an ein aus der heutigem Perspektive gesehen falsches Versprechen.

Mit dem zweitem Punkt: „zweitens vergisst … […] vergisst Kirche an dieser Stelle eines, dass die Betrachtung der aktuellen Migrationskrise als reine Flüchtlingskrise einfach weit zu kurz greift.„ Beginnt bei mir die Verwirrung. Ich habe keine Ahnung, wo die Analogie zum Ablasshandel hier steckt.

Schade, denn die Flüchtlingskrise ist ein gigantischer Ablasshandel. Für den Preis anderthalb Millionen Flüchtlinge mehr zu beherbergen kauft sich Deutschland ein reines Gewissen und ein tolles Image der netten Deutschen.

Die Kanzlerin, die über mehr als ein Jahrzehnt zuließ dass sich das Mittelmeer in ein Massengrab verwandelt ist nun Mutter der kleinen Syrer, die wir großzügig gerettet haben. Vergessen sind die Deals mit unseren hässlichen Türstehern, wie Gaddafi, der dafür sorgte dass Migrationswillige in Lagern verschwinden und dafür Milliarden kassierte. Nun dient sich Erdorgan für einen neuen Deal an. Keine Verantwortung hat Deutschland bei den Waffenexporten, die nun gegen die Zivilbevölkerung eingesetzt werden. Unsere Handelsabkommen sorgen dafür, dass afrikanische Kleinbauern ihre Lebensgrundlage verlieren. Sie machen sich auf die tödliche Reise um in Italien jene Tomaten als Illegale zu pflücken, die sie einst selber in den Ruin getrieben haben.

Ja die Aufnahme der Flüchtlinge ist ein gigantischer Ablasshandel. Statt an die Wurzeln des Übels zu gehen kaufen wir uns lieber das gute Gewissen mit einigen Syrern.

Mensch, wo bleibst Du? Katholikentag plus von Publik-Forum und Wir sind Kirche.

05/2016, von Wolfgang Kessler, Publik-Forum

Der 100. Katholikentag 2016 unter dem Motto »Seht, da ist der
Mensch« findet unter besonderen Vorzeichen statt: Mutig präsentieren
die Verantwortlichen Kirche und Glaube in einem weitgehend
nichtkirchlichen Umfeld – wohl wissend, dass dies die Herausforderung
der Zukunft sein wird.
Zum anderen ist das Christsein derzeit besonders herausgefordert.
Viele Menschen identifizieren Religion mit Gewalt. Angesichts
der Flüchtlinge schüren rechtsextreme Bewegungen Hass
und Angst. Die entfesselte Weltwirtschaft bedroht Mensch und
Natur. Die Unsicherheit ist mit Händen zu greifen.
»Mensch, wo bleibst du« in diesen Krisen? Diese Frage steht im
Mittelpunkt des Katholikentag-Plus-Programms, das die Kirchenvolksbewegung
Wir sind Kirche und Publik-Forum gestalten. Hier
kommen Persönlichkeiten wie Eugen Drewermann zu Wort, die
auf Katholikentagen noch immer unerwünscht sind. Hier wird
Ökumene gelebt. Und hier wird keine heikle Frage ausgelassen,
weil die Veranstalter unabhängig sind.
Unser Wegweiser führt Sie durch dieses Programm – und gibt
Tipps für andere Veranstaltungen während des Katholikentages. Wir
würden uns freuen, Sie bei uns begrüßen zu dürfen. Mehr dazu.

Ist ein Dialog mit der AfD möglich?

21.2.2016 Zeit

Die katholische Kirche will der AfD kein Forum geben. Deshalb wurde kein Vertreter der Partei auf den Katholikentag eingeladen. Wir haben berichtet.

Doch innerhalb der AfD gibt es viele überzeugte Katholiken. Für sie ist die Position der Kirche nicht nachvollziehbar. Auch für viele Außenstehende ist es schwer eine Einmischung der Kirche in die Parteipolitik verstehen. Jemanden auf Grund der Parteizugehörigkeit abzusprechen Christ zu sein ist kaum nachvollziehbar. An der Basis bleiben Mitglieder der Kirche auch mit Personen der Partei im Gespräch. Ein Unterschied zwischen Partei und Positionen ist ein schmaler Grad.

In einem Kommentar der Zeit spricht sich Laura Diaz daher für einen Dialog aus.