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Video: Naoto Kan, der frühere japanische Ministerpräsident, erhält in Frankfurt den Preis „Courage beim Atomausstieg”

06/2016

Am 29.4.2016 besuchte der japanische Ex-Premierminister die EWS in Schönau, um sich über die Energiewende in Deutschland zu informieren. Tags darauf wurde er im Kaisersaal des Römers in Frankfurt mit dem Preis „Courage beim Atomausstieg” geehrt. Kan war Premierminister von Japan, als sich die Tepco-Atomkatastrophe am 11. März 2011 in der Präfektur Fukushima ereignete. Unter dem Eindruck dieser Katastrophe entwickelte er sich zu einem entschiedenen politischen Befürworter des Atomausstiegs und der Entwicklung erneuerbarer Energien. Diese Auszeichnung ist die erste politisch hochrangige Ehrung in diesem Themenbereich in Deutschland. Der von den Elektrizitätswerken Schönau (EWS) gestifteten Preis wurde von der Stadt Frankfurt und der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau mit Unterstützung der deutschen Sektion International Association of Lawyers Against Nuclear Arms (IALANA) vergeben, die Laudatio hielt Jürgen Trittin. Zum video.

Preis „Courage beim Atomausstieg“ der Stadt Frankfurt, der EKHN (Evangelische Kirche in Hessen und Nassau) und den EWS (Elektrizitätswerken Schönau) an japanischen Ex-Premier Naoto Kan.

26.04.2016 epd

Der ehemalige japanische Premierminister Naoto Kan erhält in Frankfurt den ersten
Preis für „Courage beim Atomausstieg“. Hintergrund dafür ist die schmerzvolle
Erinnerung an die Atomkatastrophen von Tschernobyl vor 30 Jahren und von
Fukushima vor 5 Jahren. Zur Quelle.

HIntergrund: Der Premierminister und der Atomunfall: Zur Bewertung des Krisenmanagements von Naoto Kan während der Fukushima Atomkatastrophe
Prof. Frank Rövekamp

… Zusammenfassung, Fazit und Implikationen
Naoto Kan hat sich der Atomkrise mit hohem persönlichem Einsatz gestellt. Wie er selbst
einräumt, hat er dabei Fehler gemacht, die jedoch nach seiner Auffassung der
unübersichtlichen Lage geschuldet waren. Inwieweit sein Krisenmanagement die
Eindämmung des Unfalls ursächlich mit herbeigeführt hat, muss offen bleiben. Es kann
jedoch angenommen werden, dass seine Intervention am 15. März, falls das TEPCOManagement tatsächlich den vollständigen Rückzug aus der Atomanlage geplant hatte, den Zusammenbruch von Ost-Japan verhindert hat. Kans damaliger Assistent Hosono beschreibt in diesem Zusammenhang eindrucksvoll, dass Kans energische Reaktion bei allen Beteiligten das nachhaltige Bewusstsein verankert hat, dass ein Rückzug auch im weiteren Verlauf keine Option gewesen wäre (Hosono und Torigoe 2012: 97). Nachhaltig negative Einflüsse von Kans Krisenmanagement auf den Unfallverlauf sind nicht
nachweisbar.
Kans weiteres Wirken als Premierminister nach der kritischen Phase des Atomunfalls,
insbesondere seine Kehrtwende in der Energiepolitik und seine Forderung nach der
Stilllegung des Atomkraftwerks Hamaoka auch ohne rechtliche Grundlage, hat weiterhin zur eindringlichen Diskussion in der Bevölkerung um die Kernenergie und zur Tatsache, dass bis heute – mit Ausnahme des im August 2015 wieder angefahrenen Werkes Sendai – sämtliche Atomanlagen weiter vom Netz sind, erheblich mit beigetragenZum Vortrag.