Schweiz: Volkskirche – ein Abschied in Raten von einem Erfolgsmodell?

05/2015

Der Kanton Bern will sein Verhältnis zur Landeskirche lockern. Eine Bagatelle? Mitnichten – eine bedeutende Weichenstellung…

Starkes Signal. Was wie eine kleine, folgerichtige Flurbereinigung aussieht, ist in Wahrheit jedoch ein Schritt von grosser Signalwirkung. Und Symptom einer landesweiten Entwicklung, die schrittweise in Gang kommt und letztlich über die Zukunft des Modells «Volks­kirche» entscheidet.

Vielleicht macht es tatsächlich wenig Sinn, die alte Bastion des Berner Staatskirchentums gegen jeden gesellschaftlichen Trend verteidigen zu wollen. Und doch: Gerade das über 200-jährige Berner Modell wäre eigentlich zukunftsweisend. Denn die enge Anbindung an den neutralen Staat bürgt für eine demokratische, pluralistische, ökumenische und interreligiöse Grundstimmung in der Kirche. Der Staat ist «ein Bollwerk gegen gefährlich werdende Religionen», wie die Berner Juristin und Politikerin Gret Haller vor wenigen Jahren in einem «reformiert.»-Interview festhielt, und der Staat sorgt für ein staatsbürgerliches Bewusstsein auch in den Kirchen. –

Starker Partner. Im Kanton Bern, wo reformierte, römisch-katholische, christkatholische und jüdische Geistliche (noch) vom Staat besoldet, administriert und beaufsichtigt werden, konnte sich ein Klima des gegenseitigen Verständnisses herausbilden, in dem der ökumenische Gedanke besonders gut gedeiht. Und ein Staat, der in mittlerer Zukunft vielleicht auch Imame und Hindupriester zu seinem Personal zählt, behält ein Stück Religionspolitik in der Hand – und damit die Hoheit über den Religions­frieden.  Zum Artikel.

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