Schlagwort-Archive: Pfarrverband

Neue Lust an Leitung III: Der Vorsitzende des Pfarrverbandes, Pastor Andreas Kahnt, zum neuen Vorstoß von Peter Barrenstein (McKinsey, FAKD, AEU) zur leistungsorientierten Bezahlung für PfarrerInnen.

Die Wort-Meldungen hatten das Thema vom KirchenBunt aufgegriffen. Und setzen es hiermit fort:

Peter Barrentstein wird nicht müde, Lanzen für die „leistungsgerechte“ Bezahlung für PfarrerInnen brechen. Jüngst geschah dies in einem Interview in „Christ und Welt“. Die www.wort-meldungen.de berichteten.

Bezahlung nach „Leistung“? von Pastor Andreas Kahnt 09.12.2014

Wie kommt es nur, dass in letzter Zeit wieder mal laut darüber nachgedacht wird, ob Pfarrerinnen und Pfarrer nach Leistung bezahlt werden sollten? Noch dazu mit so eindrucksvollen Anreizen wie hier und da ein Blumenstrauß oder ein Abendessen mit Partner/-in für herausragende Leistungen (vgl. „idea“ 48/2014). Schon treten Stechuhren und Leistungsnachweise vor mein geistiges Auge; Dokumentationen zu jeder pfarramtlichen Tätigkeit sind regelmäßig mit der Fahrtkostenabrechnung zur Leistungsschau einzureichen. Und ich dachte, wir hätten das Thema in den Diskussionen um das Pfarrerdienstgesetz und das Besoldungsgesetz der EKD überwunden… Der vollständige Text.

Interessanter Hinweis zur Genese des Vorstoßes der leistungsorientierten Bezahlung im Kommentar von Lothar Grigat (ehem. Dekan, EKKW), 10.12.2014:

Andreas Kahnt hat ja so recht: in den Beratungen ums Pfarrerdienstgesetz der EKD war in der dienstrechtlichen Kommission lange über mögliche Leistungsüberprüfungen im Pfarrdienst diskutiert worden, weil von seiten der Dienstrechtler immer wieder dieser Gedanke eingebracht worden ist, aber von unserer Seite her mit all den guten Argumenten, die Kahnt vorbringt, in Abrede gestellt worden, so dass im fertigen Gesetz aus gutem Grund kein Wort mehr davon zu finden ist. Insofern ist eine neuerliche Diskussion darüber obsolet. Und keine Pfarrerin/kein Pfarrer sollte sich auf solche Überlegungen einlassen! Zur Quelle. Leitung und Führung

Wenn man zeitlich parallel zur Entstehung des Pfarrdienstgesetze nach Quellen der Leistungsorientierten Besoldung sucht, wird man wiederum bei Peter Barrenstein fündig:

In der Dokumentation des im „Rahmen von Kirche im Aufbruch“  veranstalteten Workshops „ Leitung und Führung in der Kirche – Orientierung in einem zentralen Handlungsfeld” (Berlin Schwanenwerder, 17.-19. Oktober 2008) findet sich im Impulsreferat von Peter Barrenstein eine Grafik mit Schwachstellen der Führung zwei entscheidende Punkte:

1. Skepsis gegenüber Leistungsanforderungen und -messung

2. Wenig Erfolgskontrolle

Erfolgskontrolle ist dabei ein überaus wichtiger Hinweis – wenn man sie zunächst einmal auf die hoch dotierten externen Beraterteams anwenden würde.

 

73. Pfarrertag: Aufgaben und Profil des Pfarrverbandes haben sich verändert

Der Verband Evangelischer Pfarrerinnen und Pfarrer in Deutschland hat sich gewandelt. Zusätzlich zu seinen bekannten und bewährten „Serviceleistungen“ Deutsches Pfarrerblatt, Pfarramtskalender, Deutscher Pfarrerinnen- und Pfarrertag, Dienstrechtsauskunft und Studienhilfe sind ihm über die Jahre vor allem Pfarrervertretungsaufgaben zugewachsen. In der Dienstrechtlichen Kommission hat der Verband die Möglichkeit bekommen, relativ frühzeitig von Gesetzesvorhaben der EKD zu erfahren und die Sicht der Pfarrerinnen und Pfarrer im Kreise der für Dienstrecht und Personal in den Gliedkirchen zuständigen Personen zu vertreten. Die Einführung des Pfarrdienstgesetzes der EKD (PfDG.EKD) gibt dem Verband in Paragraph 107 die verbriefte Gelegenheit, Stellungnahmen zu Gesetzesvorhaben, die die Pfarrerinnen und Pfarrer dienstrechtlich betreffen, abzugeben. In der „Fuldaer Runde“ und nunmehr in der Konferenz der Pfarrervertretungen beschäftigt sich der Verband verstärkt mit dienstrechtlichen Fragen in den Gliedkirchen und engagiert sich durch Schriftstücke und Gespräche mit unterschiedlichen Gremien, dienstrechtlichen Problemen abzuhelfen. Da parallel zu dieser Entwicklung in den Vereinen der Anteil an dienstrechtlichen Fragen in der Vereinsarbeit ebenfalls gestiegen ist, haben sich Aufgaben und Profil des Verbandes verändert. Zum Vorstandsbericht.

Hannover: Wiederherstellung von A 14 in Sicht

August 2013. Erfolg für HPV und PA: Synode für Rücknahme der Streichungen von Anneus Buisman und Andreas Dreyer

Vielleicht waren wir als Pfarrerschaft naiv, als wir seinerzeit, vor rund 15 Jahren, einer befristeten teilweisen Gehaltskürzung zustimmten, um zusätzliche Stellen für den Nachwuchs in kirchlichen Berufen zu ermöglichen. Fünfzig zusätzliche Pfarrstellen sollten für einen Zeitraum von rund zehn Jahren geschaffen werden, dafür war man bereit, ebenfalls befristet auf ein Jahrzehnt bis zu 2,5% Abschlag beim Gehalt und die Streckung um zwei Dienstalters-Stufen bis zum Erreichen der Durchstufung nach A14 zuzustimmen (vom 39. auf das 43. Lebensjahr verschoben). Nicht mehr bei Erreichen der zehnten, sondern erst bei der zwölften Stufe sollte der (im Übrigen einzige) Aufstieg während der gesamten Dienstzeit erfolgen… Zum hoffnungsvoll endenden Artikel.

Die Ursache für Burnout liegt in der Arbeitswelt

Professor Johannes Siegrist, Leiter des Instituts für Medizinische Soziologie an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf, sieht die Ursache für Burnout nicht in individuellen Veranlagungen sondern in der heutigen Arbeitswelt. Folglich schlägt er als Lösung nicht wie andere eine Individual-„Therapie“ nach dem Motto „Lesen Sie mal ein Buch“ oder „Gehen Sie mal spazieren“ vor. Sein Lösungsvorschlag ist nicht an die Betroffenen adressiert, sondern nimmt die Leitungen und Vorstände von Betrieben, Organisationen und Insitutionen in die Pflicht und die Verantwortung. Lesen Sie das Interview.

Der weit verbreiteten Ansicht, dass Burnout eine Sorge der Chefetagen ist, widerspricht Siegrist. Die Wahrscheinlichkeit steigt, „je tiefer man in der betrieblichen Hierarchie geht“. Es gebe allerdings eine Ausnahme: Menschen, die als personenbezogene Dienstleister arbeiten, also Ärzte, Altenpfleger oder auch Lehrer. Hier mache das Burnout auch vor den höheren Gehaltsklassen nicht halt… Oder aber Arbeitsplätze, an denen es eine so genannte „Belohnungskrise“ gibt. „Ein Ungleichgewicht zwischen dem, was ich leiste und den Belohnungen, die ich dafür bekomme“, erklärt der gebürtige Schweizer. Hierbei gebe es drei Arten von Belohnungen: Geld, Aufstieg oder Arbeitsplatzsicherheit und Wertschätzung…
Siegrist appelliert an die Wirtschaft, endlich etwas gegen die krankmachenden Arbeitsbedingungen zu tun. Auf längere Sicht würde sich das für die Chefs durch geringere Fehlzeiten und eine höhere Produktivität der Mitarbeiter auszahlen.

Burnout bei Ärzten und Ärztinnen:

Zeitungen verkünden täglich, dass Ärzte im Krankenhaus unter der Überlastung und dem immensen Kostendruck im Gesundheitsbereich stöhnen. „Die Arbeitsbelastung und intensive Ausnutzung der Ärzte sind in den letzten Jahren gewachsen. Bei gestiegenen Patientenzahlen, kürzeren Verweildauern im Krankenhaus und Sparmaßnahmen hat sich der Arbeitsumsatz erhöht, es wird immer nur oben drauf gepackt“, kann der Jurist Resemann vom Marburger Bund nur bestätigen. Bei manchen Ärzten führt die Arbeitsüberlastung zum Burn-out, einem inneren „Ausgebrannt-sein“.

Burnout bei ProfessorInnen: „Jeden Tag schuldig ins Bett“

Das Hamsterrad für Professoren dreht sich immer schneller, teils mit ruinösen Folgen für die Menschen und die Forschung. Ein Gespräch mit Prof. Hartmut Rosa, Jena, über die Ursachen und mögliche Korrekturen.

Prof. Hartmut Rosa: Theoretisch sind Professoren weitgehend Herren ihrer Zeit. Dennoch ist auch unsere Arbeitsverdichtung in den vergangenen Jahren enorm gestiegen . Zudem haben sich die Anerkennungsmechanismen für Hochschullehrer grundsätzlich gewandelt: Nicht mehr ihre Position zählt, sondern ihre Leistung.

Bei LehrerInnen:

Der auslösende Faktor für das Burnout ist sehr oft die Diskrepanz zwischen den selbst gestellten Zielen und der Konfrontation mit der schulischen Realität. Wie oft stellt man als Lehrer fest, dass man sich so gut vorbereitet hat und nach der Unterrichtsstunde doch so wenig erreicht hat, weil die Schüler und Schülerinnen an diesem Tag völlig andere Interessen hatten oder überhaupt nicht für das Thema zu begeistern waren. Das frustriert ganz schön. Dazu kommen dann die schlechten Arbeitsbedingungen und die Konflikte mit den Kolleginnen und Kollegen oder der Schulleitung. Es steht nämlich außer Frage, dass eine schlechte Arbeitsatmosphäre durchaus Burnout-fördernden Charakter hat. Die Ursachen werden also gleichermaßen im persönlichen wie auch institutionellen Bereich liegen.
Der gesamte Prozess des Ausbrennens vollzieht sich in mehreren Phasen, die mit der Reduzierung des eigenen Engagements beginnen und bis zur völligen Hilflosigkeit reichen.

Für LehrerInnen liegt eine Burnoutstudie, die sog. Saarschmidtstudie, vor. Ergebnis: 25% aller LehrerInnen leiden unter Burnout.

Burnout bei PfarrerInnen

Immer mehr Menschen in Deutschland sind vom Burnout-Syndrom betroffen. Gerade auch evangelische Pfarrer bleiben von der totalen Erschöpfung nicht verschont. 20 Prozent von ihnen, so schätzen Fachleute, werden durch beruflichen Stress krank… Schätzungsweise fünf Prozent der Theologen entwickelten sogar ein Burnout-Syndrom mit Zuständen totaler Erschöpfung, erläutert der Pastoralpsychologe Andreas von Heyl…

 

Kommentar: bei welchen institutionellen Arbeitgebern ist das Thema Burnout schon angekommen? In den Kirchen haben in diesem Jahr der Pfarrverband und der Pfarrverein der EKKW das Thema Gesundheit als Problem entdeckt. Noch nicht aber die Kirchenleitungen und die Personalabteilungen. F.S.