Archiv der Kategorie:
Bekenntnisse

Das Verhältnis von Theologie und Kirche im 21. Jahrhundert Von der kirchlichen Bekenntnisbildung zur Bezeugung des Evangeliums Von Henning Theißen

02/2018, Deutsches Pfarrerblatt

…Mit der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert ändert sich die Bestimmung dessen, was im Protestantismus theologische Lehre bedeutet: Lehre ist nun nicht mehr die Vergewisserung und Entfaltung eines konfessionellen Bekenntnisses, sondern eine zwischenkirchliche, ökumenische Aufgabe. Es geht darum, Kirchen samt ihren Lebenswelten zu verstehen und ins kritische Gespräch miteinander zu bringen. Dieser Ansatz kann, wie Henning ­Theißen zeigt, gerade auch am Beginn des 21. Jahrhunderts mit seinen aktuellen Heraus­forderungen fruchtbar werden.* …

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Evangelische Kirche feiert 70. Jahrestag des „Darmstädter Worts“: Ein „Manifest der Erneuerung“

19.08.2017
DARMSTADT – Orientierungshilfen für kirchliches Handeln in der Nachkriegszeit soll das „Darmstädter Wort“ geben, das der Bruderrat der Evangelischen Kirche in Deutschland am 8. August 1947 im Diakonissenhaus des Elisabethenstiftes verfasst hat. Im Rückblick auf die Nazizeit heißt es darin: „Wir sind in die Irre gegangen in unserem politischen Wollen und Handeln“. Diese Irrwege werden präzise und selbstkritisch benannt. Eine treibende Kraft bei der Formulierung des „Manifestes der moralischen Erneuerung“ war Martin Niemöller, der erste Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN)…

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70 Jahre Darmstädter Wort. Dem Evangelium verpflichtet. Von Präses Rekowski.

08/2017

Vor 70 Jahren, am 8. August 1947, verabschiedete der Bruderrat der EKD das „Darmstädter Wort“. Es bekennt das Versagen der evangelischen Kirche gegenüber dem Nationalsozialismus und formuliert Grundsätze für eine Entwicklung von Kirche und Gesellschaft. Präses Manfred Rekowski über die bleibende Bedeutung dieser Erklärung.

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Markstein für ein neues Denken. Dekanat feiert 70. Jahrestag des Darmstädter Worts.

25.07.17/ Von Daniel Baczyk, Darmstädter Echo

 
DARMSTADT – Die Tinte auf der Kapitulationserklärung war noch nicht trocken, die Trümmerwüsten der deutschen Städte rauchten noch, da verkündete der württembergische evangelische Landesbischof am 10. Mai 1945 in Stuttgart einer dankbar lauschenden Menschenmenge: „Das Herz des deutschen Volkes schlug für den Frieden, der Krieg war ein Parteikrieg. Eben deshalb sollte man nicht das ganze deutsche Volk als verantwortlich für die Gewalt- und Schreckensmethoden eines Systems ansehen, das von einer weit überwiegenden Mehrheit innerlich abgelehnt worden ist.“…

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Anm. F.S.: Das Ev. Dekanat Darmstadt-Stadt also feiert das „Darmstädter Wort“. Seit der Einführung der Reformation in Hessen (und ergo auch in Darmstadt) ist das Darmstädter Wort das bedeutendste kirchengeschichtliche Ereignis, das mit der Stadt und gleichermaßen der Landeskirche verbunden ist. Martin Niemöller war wohl der Initiator, der die Granden unter den Nachkriegstheologen nach Darmstadt holte: Karl Barth und Hans-Joachim Iwand. Das von ihnen wesentlich entworfene Wort wurde dann am 08. August 1947 vom Bruderrat der Bekennenden Kirche veröffentlicht. So viel Erneuerung, so viel Erkenntnis aus der Geschichte, so viel Bekenntnis des eigenen Versagens traute sich die EKD allerdings nicht zu. Genauso wenig wie sich die heutige EKHN zutraut, eine entsprechende Gedenkveranstaltung auf Landeskirchenebene auszurichten. Kirchenpräsident Jung ist eben nicht Niemöller.

Frühchristliche Schismen auf Youtube

Extra Credit ist eigentlich ein Youtube Kanal, der sich mit Konzepten von Computerspielen auseinander setzt. Doch jede Woche erstellen sie auch ein Video zu historischen Themen. Jüngst zu den altkirchlichen Schismen. Ein Thema, das man selten in Bewegtbildern sieht.

 

 

Lutherisches Bayern auf dem Weg nach Barmen: ELKB möchte das Barmer Bekenntnis aufwerten.

02/2016, ELKB


„Aus unserer Sicht ist die Barmer Theologische Erklärung ein Glaubenszeugnis, welches das lutherische Bekenntnis aufgreift, aufs Neue bekennt und vertieft“, betont Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm.

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Stuttgarter Schuldbekenntnis, bescheidenes Schuldbekenntnis. Viele konservative evangelische Kirchenleute von der Erklärung als zu weit gehend. Von den 27 Landeskirchen stellten sich nur vier hinter die Erklärung.

14.10.2015, von Oliver Stenzel, nach Gespräch mit Prälat i.R. Martin Klumpp, Stgt

Handelte es sich bei dem Schulderklärung also nur um ein taktisches Papier? „Zu sagen, die Schulderklärung sei etwas gewesen, womit die evangelische Kirche ihre Schuld aufgearbeitet habe, greift zu kurz. Manches ist heute noch nicht aufgearbeitet“, sagt Klumpp. Er sieht die Relevanz des Dokuments eher in einer Art Langzeitwirkung: „Die Erklärung hat mit bewirkt, dass der Protestantismus nach dem Krieg viel staatskritischer geworden ist. Wenn man sich die gesamte Geschichte der evangelischen Kirche anschaut, dann stellt man fest, dass etwa die protestantische Kirche in Preußen lange Zeit eine Art Nationalkirche war“ – und entsprechend antidemokratisch während des Kaiserreichs und im Nationalsozialismus. Das habe sich nach 1945 grundlegend geändert. Eine Entwicklung in der EKD habe begonnen, die zu einer deutlichen Unterscheidung zwischen Kirche und Staat geführt habe, dazu, dass die EKD sich nun verstärkt kritisch zur Politik äußere. „Die Schulderklärung war der Anfangspunkt dieser Entwicklung“, sagt Klumpp, „ein Samen, von dem das ausging.“  Mehr dazu.

Die Barmer Theologische Erklärung in die Bekenntnisschriften der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern aufnehmen.

07/2015,  Korrespondenzblatt/ Bayern, S. 16, print: 116

Stellungnahme des Rates der Brüder und Schwestern

Die kirchenleitenden Organe haben 2014 angeregt, die die Barmer Theologische Erklärung (BTE) in die Bekenntnisschriften der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern aufzunehmen.

Wir halten diesen Schritt für angebracht und geben zu bedenken, dass dies Konsequenzen für das kirchliche Leben nach sich zieht.
Die Bindung der Kirche an Jesus Christus als „das eine Wort Gottes“ (BarmenI) steht in voller Übereinstimmung mit den reformatorischen Bekenntnissen. Jede Zeit erfordert ihr aktuelles Bekenntnis zu Jesus Christus und der Heiligen Schrift. Was die BTE in ihrer Zeit formuliert hat, kann auch heute Richtschnur christlichen Bekennens sein…

s. S. 14 (print: 116)

Dogmatische Arbeitsbeschaffungsmaßnahme? Arbeitsbericht zur Neuauflage der Bekenntnisschriften in der Badischen Landeskirche.

05/20115, Wolfgang Vögele

– Was sollen wir denn damit?
– Da haben wir noch nie hineingeschaut!
– Das soll ich einmal unterschrieben haben?

Solche Aussagen kann man hören, wenn Pfarrer und Älteste zum ersten Mal einen Blick in neue Ausgaben und Auflagen der Bekenntnisschriften werfen. Bekenntnisschriften führen bekanntlich ein Schattendasein im evangelischen Legitimationsuntergrund – weit verbreitetes und ausgedehntes Wurzelwerk bei geringer Blütengröße. Dabei schaffen die Grundordnungen der evangelischen Landeskirchen eigentlich ein solides normatives Dreieck zwischen Bibel, Bekenntnisschriften und Kirchenrecht. Die ausgewogene Balance dieses Dreiecks geht allerdings in den letzten Jahren zunehmend verloren. Um die theologische Dignität der Bekenntnisschriften zu würdigen und anzuerkennen, ist zunächst ihre Kenntnis vonnöten….

Glaubensvisionen haben im Moment ja gar keine Konjunktur, die Zukunft scheint in der Gegenwart der evangelischen Kirche ihren Ort verloren zu haben. Denn in den Konsistorien ächzt man unter der Last der grauen Wirklichkeit und hat bisher kein Mittel gegen die bleibend hohen Austrittszahlen gefunden: Milieuanalysen, Kirchenmitgliedschaftsuntersuchungen, Reformprogramme oder das Pfeifen im Walde (Minderheit mit Zukunft!) haben alle nicht geholfen. Aus der EKD kommt der Vorschlag, die Confessio Augustana als das früheste und gemeinsame Grundbekenntnis der Reformation als gemeinsame Grundlage der evangelischen Landeskirchen zu implementieren[11]. So würde die EKD von der „Kirchengemeinschaft“ zur Kirche mit gemeinsamem Bekenntnis promoviert. Diesem Vorschlag ist schon mit guten historischen und aktuellen Gründen widersprochen worden. Er nimmt einfach das Differenzmoment nicht ernst genug. Man muss im Übrigen kein Prophet sein, um vorauszusehen, dass dieser Vorschlag zwischen der Kritik an dem damit verbundenen Zentralismus und den bekannten irrationalen Regionalisierungskräften zerrieben werden wird.

Visionär wäre die Weiterführung von Leuenberg zu einem europäischen evangelischen Bekenntnis, das über die landeskirchlichen und nationalen Grenzen hinausreicht. Aber im Moment sind Kräfte und Personen nicht zu erkennen, die dafür Kraft, Kreativität und langen Atem besitzen würden. Der Heilige Geist hat im Moment eine Menge zu tun. Zum Artikel.