Archiv der Kategorie:
Wertewandel

Fakten sind irrelevant

1.10.2016 Zeit.de

In den USA zeigt Trump, wie man einen Wahlkampf gegen die Fakten führt. Für ihn ging es den farbigen BürgerInnen noch nie so schlecht wie heute. Der Klimawandel ist eine Chinesische Lüge um die amerikanische Wirtschaft zu zerstören. Obama ist ein Moslem und der Gründer von ISIS. Wenn es nach den Fakten ginge, müsste Trump in jeder Meinungsumfrage weit abgeschlagen sein. Doch Fakten sind in der Politik irrelevant geworden. Statt der einen Wahrheit gibt es viele persönliche Empfindungen. Die Fakten sind aus der Politik verschwunden.

Auch in Europa hat dieser Politikstil seine Blüte gefunden. Berlusconi, Sarcoz und Orban sind Fakten auch schon immer hinderlich gewesen. Die neue Rechte will nur die Emotionen der Menschen treffen. Denn wenn es keine Wahrheit mehr gibt, zählt nur noch der Wille zur Macht.

Lesen Sie hier den Artikel.

Jüdisch christliche Leitkultur oder liberaler republikanischer Ethos?

The European 10.4.2016

Was ist die unveränderliche Grundlage unserer Gesellschaft? Christopher Gohl macht sich gegen die jüdisch-christliche Leitkultur für einen liberalen republikanischen Ethos stark:

Der zugrunde liegende Werte-Konsens ist eine politische, rechtliche und moralische Errungenschaft unserer Geschichte. Er speist sich aus Ideen und Argumentationen der griechisch-römischen Antike, des Judentums, des Christentums, des Humanismus und der Aufklärung ebenso wie aus geschichtlichen Erfahrungen wie der Reformation, den Religionskriegen, Weltkriegen, Gewaltherrschaft und der Shoah. Auch im Islam und in anderen Religionen finden sich Traditionen, die den liberal-republikanischen Konsens stärken können „

Lesen Sie hier die Kolumne.

Gegensätzliche Grundwerte in Europa und USA: Amerikas andere Freiheit. Ein Kommentar von Andrian Kreye, SZ

7. Oktober 2015, SZ

Kern der Ratlosigkeit ist eines dieser seltenen grundsätzlichen Missverständnisse zwischen Europa und Amerika. Denn in der Regel handelt es sich hier doch um zwei sehr ähnliche Kulturen. Ganz buchstäblich – Amerikaner und Europäer hören dieselbe Musik, sehen dieselben Filme, tragen dieselbe Kleidung, verfechten die Demokratie. Hin und wieder aber zeigt sich, dass die beiden Gesellschaften sehr unterschiedliche, in diesem Fall sogar gegensätzliche Grundwerte haben. Zum Kommentar.

Agamben: Europa muss kollabieren

Zeit 13.9.2015

Der Philosoph Giorgio Agamben spricht in einem Interview mit der Zeit zu Europa. Der Umgang der EU mit der Kreditgeberkrise gibt Agamben recht. Die EU zeigt sich als wirtschaftspolitisher Zusammenshluss ohne demokratische Mitbestimmung. Für Agamben muss dieses Europa kollabieren um einem neuem Europa Platz zu machen. Das gelingt nur, wenn sich der Mensch nicht ausschließlih über seine Erwerbsarbeit definiert.

Frank Schirrmacher: Vor etwas über einem Jahr starb der Diskursdenker.

12.06.15 DIE WELT

Und wer verhandelt jetzt unsere Überlebensfragen? Das Feuilleton als Ort des Schicksals: Als Frank Schirrmacher noch lebte, wurden in der Zeitung große Diskurse geführt. Über unsere Daten, unsere Gene und uns selbst. Gedanken zum ersten Todestag…  Zum Kommentar.

Wolfgang Huber, der frühere EKD Ratsvorsitzende, „hat Verständnis für hohe Managergehälter“.

Wolfgang Huber, „hat Verständnis für hohe Managergehälter“ berichtet die SZ am 19.06. (S. 18). Er störe sich nicht daran, dass die Managergehälter stark gestiegen seien. Huber in der Rede auf der Konferenz der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex
wörtlich: „Entscheidend ist, ob die Mitarbeiter glauben, dass das hohe Gehalt ihres Chefs für sie selbst gut ist.“

Anm. F.S.: Diese entscheidende, letzte Frage wäre auch in der Kirche zu stellen: ob die Mitarbeiter glauben, dass das hohe Gehalt ihres Chefs für sie selbst gut ist. Und die Antworten dürften nicht überraschen. Vgl. etwa die Pfarrerzufriedenheitsstudien.

Wenn Skepsis zur Pseudoskepsis wird

Skepsis ist eine wichtige Errungenschaft der Aufklärung. Die Fähigkeit an allem zu zweifeln befreit das Denken. Doch häufig verfallen Menschen in eine Pseudoskepis. Sie hinterfragen alle anderen, aber nicht sich selbst. Das bildet eine gefährlichen Nährboden für Verschwörungstheorien. Sascha Lobo plädiert auf Spiegel-online für eine neue Kultur der Skepsis.

Zusammen weniger allein contra: unter sich, geistig arm

Harald Welzers aktuelle Flaschenpost berichtet darüber, welche Rückschlüsse man aus aktuellem Baugeschehen auf den Menschen unserer Zeit  ziehen kann:

Ganz neu antwortet auf den Betonwahnsinn der Berliner Open-Source-Architekt Le Van Bo. Sein Unreal Estate House sind sechs Quadratmeter, die von eigenen vier Wänden umhüllt sind und dem Bewohner nicht gehören. [4] Genauso wenig wie der Boden, auf dem die Hütte steht. Die Miete wird gezahlt an die Nachbarschaft, von der Architektur – die offeriert Ofenwärme und Tauschregale, eine Theaterbühne und Filmprojektionsfläche für alle: Zusammen ist man weniger allein.

Für die kleinen Leute mag die Versiegelung von schnödem Boden Thema genug sein, die wirklich Großen sind schon wieder einen Schritt weiter: Die Imperialisten aus der Informationsindustrie zieht es aufs Meer, wo sie für so etwa 200 Leutchen gleicher Gesinnung künstliche Inseln und eigene Gesellschaftsformen aufschütten. Demokratie mit ihren hinderlichen Mehrheiten und antiquierten Freiheitsidealen kann ja auf dem Festland weiter simuliert werden. [5] Die Silicon-Valley-Weltelite betrachtet die Welt, von der sie glaubt, sie gehöre ihnen eh schon, aus der Ferne, wie dereinst Kapitän Nemo. Ist übrigens bei Jules Verne nicht optimal ausgegangen; was wir diesen Riesenkraken neuen Typs nun auch von Herzen wünschen. Dazu der Bericht aus der SZ.