Schlagwort-Archive: XXL-Gemeinden

Reale und gefühlte Zumutungen. Warum Großpfarreien eine Lösung sein können. XXL-Pfarreien und Downsizing aus Sicht einer Leitungsfunktion am Beispiel Essen.

11/2017

…Entstanden sind die Großpfarreien im Bistum Essen aus einer wirtschaftlichen Not: Im Jahre 2006 hatte eine Untersuchung durch Wirtschaftsprüfer Alarm geschlagen: Radikale Umstrukturierungen waren notwendig, um nicht in eine ernsthafte Insolvenzgefahr zu geraten. Das führte zu drastischen Maßnahmen, die weitgehend in einem „Top-Down-Prozess“ umgesetzt wurden. Die bis dahin 259 eigenständigen Kirchengemeinden wurden aufgelöst und zu 43 neuen Pfarreien zusammengelegt – in der Folge wurden 96 Kirchengebäude aufgegeben, hinzu kamen erhebliche finanzielle Einschnitte.

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44 Hamburger Gemeinden droht die Schließung

3.6.2017 Hamburger Abendblatt

In Hamburg sind 44 Gemeinden von der Schließung bedroht. Viele wurden in den siebziger Jahren gebaut. Als die Prognosen noch von einer Verdoppelung der Glaubenden ausging. Nun zeigen die Prognosen in die andere Richtung und Gemeinden werden zusammen gelegt. Viele Kirchen und Gemeindehäuser sollen anders genutzt werden. Der Artikel schreibt über verschiedene Erfahrungen, die Gemeinden mit den Strukturreformen machen.

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Umfrage zu laufenden Strukturreformen wegen der Bildung von XXL-Pfarreien, supported von Prof. Paul Zulehner

05/2017

Geschätzte Damen und Herren!

Das Thema „Heimat“ hat im öffentlichen Diskurs eine neue Aktualität erhalten. Das betrifft auch das Subthema „Heimat Kirche“. Dieses hat eine zusätzliche Brisanz dadurch gewonnen, dass durch die in vielen Diözesen laufenden Strukturreformen wegen der Ausbildung von XXL-Pfarreien manche Kirchenmitglieder eine schleichende „Entheimatung“ befürchten.

Aus diesem Grund hat der Präsident der Katholischen Aktion Oberösterreichs Bert Brandstetter vorgeschlagen, eine kleine maßgeschneiderte Umfrage zu machen. Ich biete ihm dabei technische Unterstützung an und stehe ihm auch bei der Auswertung und Interpretation zur Seite. Er hat mein Interesse dadurch rasch wecken können, weil ich selbst gerade eine kleine Schrift zum Kirchenumbau mit dem Titel „Neue Schläuche für jungen Wein“ (erscheint im Herbst) fertigstelle.

Ich bitte Sie herzlich, sich an diesem kleinen pastoralsoziologischen Umfragejuwel zu beteiligen. Vielleicht können Sie auch Menschen in Ihrem Bekannten- und Freundeskreis zum Mitmachen gewinnen. Der Zugang zum Fragebogen ist frei unter:

http://www.zulehner.org/umfragen/index.php?sid=69767&lang=de

Herzlichen Dank, pace e bene, Ihr Paul M. Zulehner

Pfarrerzufriedenheitststudie auf katholisch

Kath. Kirche. Studie: Zufriedenheit der Seelsorger oder/und der gläubigen Gemeinden? Von Prof. Paul Zulehner.

20. Februar 2017

…Es wäre zu hoffen, dass auf die Studie über die Zufriedenheit der Priester rasch eine Studie über die Zufriedenheit in den Pfarren, alt oder neu ist egal, erfolgt. Dass eine solche dringend erforderlich ist, zeigt, dass unter den befragten Priestern (das sind – nur oder immerhin – 55% aller Priester), die nach wie vor gemeindlich verwurzelt sind, zu 60% der Strukturreform gegenüber skeptisch sind. Der Optimismus von Kardinal Christoph Schönborn, dass ja immerhin schon 40% nicht skeptisch sind, ist rührend. Hinter vorgehaltener Hand höre ich dagegen aus Diözesen im deutschsprachigen Raum, die mit ihrer Strukturreform schon weithin „fertig“ sind, dass bei ihnen die Diözese an die Wand gefahren wurden.

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Die Folgen der Pfarreifusionen. Befragung der Mitarbeiter in XXL-Gemeinden durch die Katholische Arbeitsstelle für missionarische Pastoral.

11/2015, von Hartmut Meesmann aus: Publik-Forum 22/2015 vom 20.11.2015, :

Werden die Gemeinden nach einem Fusionsprozess vielfältiger, bunter, kreativer? Die Katholische Arbeitsstelle für missionarische Pastoral hat Mitarbeiter in solchen XXL-Pfarreien befragt. Das Ergebnis ist ernüchternd

Erstaunt stellten die Mitarbeiter der Erfurter Arbeitsstelle fest, dass die meisten Befragten erst durch die Studie angeregt wurden, darüber nachzudenken, wofür diese ganzen Fusionsprozesse eigentlich gut sein sollen. Die Grundfrage, wofür die Kirche da sei, werde fast nirgends thematisiert. Die Debatte um Strukturen verhindert die Auseinandersetzung mit Inhalten.

Durch die Schaffung großer Räume würden die Pfarreien vielfältiger, kreativer, bunter, lautet ein häufiges Argument für die XXL-Struktur. Dahinter steht die Vision einer Netzwerk-Kirche, einer »Gemeinschaft von Gemeinschaften«. Doch bislang scheint diese Vision nicht recht zu zünden. Die ernüchternde Analyse eines Pastoralplaners: »Der Mehrwert dieser Zusammenführungen wird erhofft, aber nicht erlebt.«

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Zu Situation, Stimmung und Zufriedenheit der Pfarrer in Mecklenburg und Pommern.

10/2015, aus: Sprengelbericht Mecklenburg und Pommern der Bischöfe Dr. Andreas von Maltzahn (Schwerin) und Dr. Hans-Jürgen Abromeit (Greifswald) auf der Landessynode der Nordkirche (24.-26.-09.2015)

… III Spezifische Probleme und Herausforderungen

Kirche wird im Wesentlichen als „Vor-Ort-Kirche“ erfahren. Aus Nähe und Überschaubarkeit
entsteht auch die Bereitschaft zur Beteiligung und zum Mittun. Und genau dort begegnen wir
heute einem Dilemma. Denn es ist offensichtlich immer schwieriger, den Menschen noch nahe
zu sein. Nicht nur deswegen, weil sich die Zuständigkeitsbereiche von Mitarbeiterinnen und
Mitarbeitern immer mehr erweitern, sondern vor allen Dingen auch deswegen, weil die Veränderungen einen tiefen Wandel der Pastorenrolle herbeiführt. Das „Mehr-Gemeinden-Pfarramt“ bringt eine prinzipielle Schwierigkeit mit sich, die auch durch noch so viele Aktivitäten des Amtsinhabers oder der Amtsinhaberin nicht aufzuheben ist. Es gehört zum Pfarrbild, dass der Pfarrer Teil der Gesellschaft vor Ort sein will. Er lässt sich auf ein Leben mit den Menschen, für und mit denen er arbeitet, ein.
„Nun hat eine große empirische Untersuchung in England und Wales gezeigt, dass bereits ab drei in unterschiedlichen Dörfern zu versorgenden Predigtstellen diese Identifikation mit der jeweiligen Kommune unmöglich wird. Das führt dazu, dass der Pastor nicht mehr Teil der Gesellschaft des Ortes ist, sondern dieses nur noch vortäuscht. Das aber lässt sowohl ihn wie auch die Gemeindeglieder unbefriedigt. Nähe ist nicht mehr vorhanden, sondern wird lediglich behauptet. Dazu kommt der Stress, den Bedürfnissen der verschiedenen Gemeinden gerecht zu werden, die gesamte Verwaltung für verschiedene Gemeinden erledigen zu müssen und die Kontakte zu den Repräsentanten verschiedener Kommunen. Die Pastorinnen und Pastoren fühlen sich überfordert…“  Zum Bericht.

PAPST FRANZISKUS, SIE BRAUCHEN LEBENDIGE GEMEINDEN UND DIE GEMEINDEN BRAUCHEN SIE! Offener Brief an Papst Franziskus von der Pfarrer-Initiative Deutschland.

Mai 2015, Pfarrer-Initiative Deutschland

Papst Franziskus, Ihre Vision von Kirche bewegt uns: eine Kirche in der Spur und im Geist Jesu nahe bei den Menschen, ihnen in Respekt und Offenheit verbunden, auf Augenhöhe, als echte Weggefährtin – zugewandt gerade jenen, die am Rand stehen und besonderer Solidarität bedürfen. Statt Gräben zu vertiefen, führen Sie zusammen. Statt zu urteilen, suchen Sie zu verstehen. Statt Türen zu schließen, öffnen Sie Herzen. Hier wird die Urform von Kirche, wie Jesus sie uns vorgelebt hat, endlich wieder spürbar. Unsere Bischöfe begegnen dem Priestermangel überall auf der Welt immer öfter mit der Zusammenlegung aktiver und lebendiger Pfarrgemeinden zu anonymen und unüberschaubaren Großstrukturen. Fusionieren scheint das Rezept der Stunde. Doch in den neuen Pfarr-Großverbänden geht der persönliche Kontakt zu den Menschen verloren. Die Sakramente und der Priester entfernen sich immer weiter vom Alltag der KirchenbürgerInnen.  Der vollständige Brief.

Neue Formen der Gemeindeleitung. Ein Modellprojekt im Bistum Würzburg.

01/2015, Pfarrerinitiative

Die Pfarrerinitiative begrüßt das Modellprojekt der Diözese Würzburg zur Entwicklung „ergänzender Formen der Gemeindeleitung“ und bringt gleichzeitig aus der eigenen Sicht einige Gesichtspunkte mit in die Diskussion ein. Zu unserem Selbstverständnis gehört es, Leitung nicht als Aufgabe eines einzelnen Priesters zu verstehen, sondern als gemeinsame Aufgabe eines Teams, in das neben dem Priester auch andere Gemeindemitglieder ihre verschiedenen Charismen einbringen.
Das bisherige Verständnis von Gemeindeleitung als rein klerikal-priesterliche Amtsausübung ist weder im Sinne Jesu, noch im Sinne des Volk-Gottes-Gedankens des Zweiten Vatikanischen Konzils. Die durch die Vergrößerung von Seelsorgsräumen notwendig gewordene Unterscheidung von Pfarrei(engemeinschaft) als durch das Kirchenrecht einem Pfarrer zugeordnete Territorium auf der einen und Gemeinde als christliche Gemeinschaft vor Ort auf der anderen Seite stellt die Frage nach einer Neugestaltung kirchlicher Leitungsstrukturen. So ist eine alleinige Wahrnehmung aller Leitungsaufgaben in jeder Gemeinde allein durch einen Pfarrer nicht nur theologisch, sondern auch praktisch nicht mehr möglich. Dies bir gt die Chance neue Modelle der Leitung zu praktizieren, die den Charismen und Bedürfnissen der Gemeinden mehr entsprechen und dem Auftrag Jesu, der Sorge um den Nächsten, dienen. Diesen großen Spielraum gilt es phantasievoll aus zu nutzen und neue Wege zu gehen….

Wir hoffen, dass die Entwicklung gemeinschaftlicher und charismenorientierter Leitungsmodelle auf Gemeinde ebene auch Impulse gibt für eine Weiterentwicklung des Leitungsverständnisses auf höheren kirchlichen Ebenen. Zur Stellungnahme.

Strukturreformen in den Diözesen – wo bleiben die Gemeinden? Studientag der Pfarrer – Initiative.

1.12.2014 ; Studientag der Pfarrer – Initiative am 26.11.2014 in Stuttgart
… Kritisiert wurde, dass in allen Diözesen die Prozesse von den Bischöfen und den Verantwortlichen in den Ordinariaten ausgingen, unter großem zeitlichem Druck umgesetzt würden und es oft an der nötigen Transparenz mangelt. Zudem seien die Gemeinden als Hauptbetroffene zu wenig an den Beratungs- und Entscheidungsprozessen beteiligt gewesen, wobei es diesbezüglich deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Diözesen gibt. Deutliche Kritik übten die Mitglieder der Pfarrer-Initiative, dass alternative Lösungsmodelle wie die Leitung von Gemeinden durch Laien oder die Feier von sonntäglichen Wortgottesdiensten in etlichen Diözesen wieder zurückgefahren wurden. Zur Quelle.

Bistum Eichstätt: Bischof Hanke und die angeblichen Gründe für „Neuausrichtung der Pastoral“

2. Januar 2015

Nach der Pressemeldung vom 31.12.2014 hat Bischof Gregor Maria Hanke in seiner Silvesterpredigt die „Neuausrichtung der Pastoral“ im Bistum Eichstätt so begründet: „weil wir bereits inmitten des Wandels der Glaubenspraxis und damit inmitten des Transformationsprozesses der Kirche stehen“. Mit diesen und weiteren Worten (Die Anzahl der Christen in der Gesellschaft nehme ab, die Zahl der Gottesdienstteilnehmer dürfte weiter zurückgehen.) verschleiert nach Ansicht der „Wir sind Kirche“-Diözesangruppe Eichstätt der Eichstätter Bischof den einzigen und wahrend Grund, den er mit keinem Wort erwähnt, nämlich den Priestermangel.

Anstatt über die Gründe für den Priestermangel nachzudenken und sich intensiv für eine Änderung der Zulassungsbedingungen zum Priesteramt (z.B. den Zölibat freizustellen oder Frauen endlich als Priesterinnen zuzulassen) einzusetzen, wählen Hanke und seine Amtskollegen den bürokratischen Weg zur Bildung von XXL-Gemeinden…  Zum Artikel.